Junge Union: "Seehofer taugt nicht mehr als Vorbild"

Innenminister Horst Seehofer

Junge Union: "Seehofer taugt nicht mehr als Vorbild"

  • NRW-Chef der Jungen Union lobt Kompromiss zwischen CDU und CSU
  • Verärgerung über Streit der vergangenen Tage ist groß
  • Kritik an CSU-Chef Horst Seehofer

WDR: Herr Braun, was halten Sie vom Kompromiss zwischen CDU und CSU?

Florian Braun: Ich bin sehr erleichtert. In den letzten Wochen schwankte die Stimmung zwischen großer Verunsicherung und Verärgerung. Deswegen tut der Kompromiss jetzt gut.

Florian Braun, Junge Union NRW

Florian Braun, NRW-Vorsitzender der Jungen Union

WDR: War der ganze Streit überhaupt nötig?

Braun: Tatsächlich herrscht große Verärgerung – auch bei mir. Ich war fassungslos, wie man miteinander umgegangen ist. Es ist in Ordnung, wenn Politik mal emotional wird. Aber wenn der ein oder andere die Grenzen des Anstands überschreitet, hat das mit meinem Politikverständnis nur wenig zu tun. Meine Hoffnung ist, dass einige jetzt ihre Lehren daraus ziehen. Die Unionsgemeinschaft darf nicht so leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

WDR: Aus Sicht einer Jugendorganisation: War der Streit Werbung für Politik?

Braun: Das war sicherlich keine Werbung. Wobei ich aber glaube, dass es eher um eine Verärgerung über Politiker geht und nicht um eine generelle Politikverdrossenheit. Denn wenn man dem Ganzen irgendetwas Gutes abgewinnen will, dann doch, dass sich jeder mit Politik auseinandergesetzt hat. Und es kann ein Weckruf sein, sich selbst stärker zu engagieren. Politik lebt davon, mitzureden, anstatt es nur einigen wenigen zu überlassen.

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WDR 5 Morgenecho - Kommentar 03.07.2018 02:55 Min. WDR 5

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WDR: Kann jemand wie Horst Seehofer denn Lust auf Politik machen?

Braun: Nach den letzten Tagen taugt er wahrlich nicht mehr als Vorbild. Auch hätte mich nach den Entgleisungen gegenüber dem Amt der Kanzlerin seine Entlassung nicht gewundert. Aber das ist eine Entscheidung der Kanzlerin. Ich bin mir zwar sicher, dass die EU ohne den Druck von Herrn Seehofer nicht so weit vorangeschritten wäre. Aber die Art und Weise seines Umgangs mit anderen ist mit meinem Verständnis von anständiger Politik nur schwer vereinbar.

WDR: Wie kann die Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU in Zukunft überhaupt funktionieren?

Braun: Es wird eine Weile dauern, bis die Wunden geheilt sind. Das hängt auch davon ab, wie eine Einigung mit der SPD erzielt wird. Vielleicht werden die Akteure in Berlin nicht mehr beste Freunde. Aber ich habe die Hoffnung, dass jetzt alle zur Sachpolitik zurückkehren.

WDR: Sie erwarten also keine bleibenden Schäden?

Braun: Das müssen wir abwarten. Einen ersten Fingerzeig werden die Landtagswahlen im Herbst geben. Danach zieht hoffentlich mehr Ruhe in die Berliner Regierungspolitik. Aktuell gehe ich aber fest davon aus, dass die Koalition hält.

Das Gespräch führte Christian Wolf.

Stand: 03.07.2018, 14:34