Fall Amad A.: Lag der Polizeifehler in Siegen?

Amad A.

Fall Amad A.: Lag der Polizeifehler in Siegen?

  • Neuer Verdacht im Fall des Syrers Amad A.
  • Angeblicher Fehler bei Polizeibehörde in Siegen
  • Staatsanwaltschaft und Landtag ermitteln

Neue Spur im Fall Amad A.: Eine Sachbearbeiterin der Kreispolizei Siegen soll am 4. Juli 2018 einen Datensatz im polizeilichen Auskunftssystem "VIVA" geändert und damit die fatale Fehlerkette in Gang gesetzt haben, die A. ins Gefängnis brachte. 

Der Verdacht wurde dem WDR aus Landtagskreisen bestätigt. "Aber es gibt weiter sehr viele Fragezeichen", so die Quelle. Zuvor hatte die "WAZ" über die neue Entwicklung berichtet.

LKA, Staatsanwaltschaft und Kreispolizei beantworteten am Montag (06.05.2019) keine Fragen.

Verwechselt trotz fehlender Ähnlichkeit

Wochenlang hatte der 26-jährige Amad A. in Kleve unschuldig im Gefängnis gesessen und laut externem Sachverständigen schließlich einen Brand in seiner Zelle gelegt. Infolge der schweren Verbrennungen war er im September 2018 in einer Klinik gestorben.

Amad A. war am 6. Juli 2018 im niederrheinischen Geldern von der Polizei aufgegriffen worden. Eine Abfrage in einer zentralen Polizeidatei ergab einen Treffer - wie sich später herausstellte eine folgenschwere Verwechslung mit einem gesuchten Mann aus Mali. Der Syrer war von der Polizei mitgenommen worden, weil er an einem Badesee vier Frauen belästigt haben soll. Der Haftbefehl gegen den Mann aus Mali war von der Hamburger Justiz wegen Diebstahls erlassen worden.

Nach seiner Festnahme in Geldern soll dann durch Hamburger Behörden auch einer der fraglichen Datensätze beim bundesweiten Fahndungssystem "Inpol" verändert worden sein.

Ein Datensatz für zwei Männer

Wie der hellhäutige Syrer mit einem dunkelhäutigen Afrikaner überhaupt verwechselt werden konnte, ist bis heute ungeklärt. Bislang wurden die Verantwortlichen vor allem bei der Polizei in Kleve und Hamburg gesucht.

Die neue Spur führt nun nach Siegen. Dort war Amad A. erstmals gemeldet worden nach seiner Einreise. Er kam im Aufnahmezentrum Burbach unter. Am 4. Juli, zwei Tage vor dem Aufgreifen in Geldern, änderte offenbar die Sachbearbeiterin der Kreispolizeibehörde Siegen die Eintragung in der Datei, indem sie die Daten beider Männer in einem Datensatz zusammenfasste.

Warum sie dies getan hat und ob sie dazu überhaupt berechtigt war, wird jetzt ermittelt. Die Frau muss auch damit rechnen, als Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags aussagen zu müssen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hatten in der vergangenen Woche ermittelnde Staatsanwälte im Parlament ausgesagt. Das Gremium soll klären, wieso A. ins Gefängnis kommen konnte.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte Fehler bei der Polizei Kleve eingeräumt. Es waren Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Stand: 06.05.2019, 17:02

Kommentare zum Thema

10 Kommentare

  • 10 Rüblinghauser 07.05.2019, 11:10 Uhr

    Wird jetzt wieder ein Sündenbock in irgendeiner Behörde gesucht? Die ganze technische Unterstützung in den Behörden ist allgemein zu behäbig und viel zu unflexibel.

  • 9 traurige Wahrheit 07.05.2019, 11:03 Uhr

    Wie sollen technisch bitteschön Daten von zwei Personen in einem Datensatz zusammengefasst werden? Jedes Programm hat sog. Plausibilitätsprüfungen, d.h. z.B. die Eigenschaften hellhäutig und gleichzeitig dunkelhäutig schließen sich aus. Die Argumentation ist so was von weit hergeholt, dass es mutmaßlich um eine Schutzbehauptung handelt. Ich glaube nicht mehr an ein Versehen.

    Antworten (1)
    • anonym 07.05.2019, 13:25 Uhr

      Da schuen sie sich mal die vorhandenen System an. Das ist / teilweise gar nicht möglich.

  • 8 Helmut Müller 07.05.2019, 10:53 Uhr

    Das ist eine Verschwörungstheorie in Form von Unterstellungen und Polizeibashing. Wenn von Medien sofort die Diskriminierungskeule geschwungen wird hat die Polizei kein Sprache mehr, brauchbare Beschreibungen abzugeben. Verwechslungen sind da vorprogrammiert. Für die schwarze Null hat man die Polizei in Grund und Boden gespart, es fehlt auch das Personal für brauchbare Polizeiarbeit. Mit der Masseneinwanderung 2015 hat man aber dagegen die Aufgaben vervielfacht. Identitätsverschleierung wird dabei von der Justiz belohnt, Ausweise werden weggeworfen oder für andere Straftaten verkauft. Mehrfachidentitäten sind so leicht möglich. In so einem Chaos kann man nicht mehr vernünftig arbeiten. Medien haben mit der Dauerberieselung einer Willkommenskultur massiv an dem Chaos mitgearbeitet und jetzt schießt man sich auf die Polizei ein, manche unterstellen mehr oder weniger offen Absicht.

    Antworten (1)
    • Atze 07.05.2019, 12:22 Uhr

      Die investigativen Medien sollten mal keine Politiker oder Ressortleiter aus Ministerien befragen wie es denn an der Basis ausschaut. So ein normaler Angestellter oder Beamter im mittleren/ gehobenen Dienst einer Ausländerbehörde sollte mal die Erlaubnis erhalten zu berichten, was er denn so tagtäglich an seinem Dienstplatz erlebt. Allen würden die Ohren klingeln und ein fettes Fass würde aufgemacht. Auch ein normaler Polizeioberkommisar sollte mal berichten dürfen, was so abgeht in Angsträumen und all den Problemen, die die Obrigkeit verschleiert.

  • 7 Quickbooks Support | +1 ( 07.05.2019, 07:10 Uhr

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  • 6 hø'ø 07.05.2019, 06:30 Uhr

    Wie hat man sich das vorzustellen? "änderte offenbar die Sachbearbeiterin der Kreispolizeibehörde Siegen die Eintragung in der Datei, indem sie die Daten beider Männer in einem Datensatz zusammenfasste." Der Mann wurde also erfaßt als manchmal dunkel, manchmal hell, mit wechselnder Körpergröße?

  • 5 Eule 06.05.2019, 22:46 Uhr

    Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

  • 4 Eule 06.05.2019, 22:43 Uhr

    Lieber Atze, man sollte unsere Werte Frau Bundeskanzler an den Hammelbeinen ziehen. Sie ist die Hauptverantwortliche für das ganze Elend was hier passiert.

  • 3 Monika B. 06.05.2019, 21:06 Uhr

    Oh, da hat man ja doch noch das Bauernopfer gefunden. Wie mich das alles anekelt.

    Antworten (1)
    • Nadine 07.05.2019, 07:04 Uhr

      Fehler passieren. Und mit den ausländischen Namen ist es oft so eine Sache, was ist jetzt der Vor- und was der Zuname? Wieviele Alias-Namen gibt es? Hinzu kommen die verschiedenen Geburtsdaten. Das mag in dem o. g. Fall nicht so gewesen sein, aber es zeigt die Anfälligkeit für Fehler. Der Syrer selbst war ja kein unbeschriebenes Blatt, wenn ich lese, dass er mehrere Frauen belästigt haben soll. Und warum legt man in der Zelle Feuer? Wenn ich im Ausland verhaftet würde, selbst, wenn ich unschuldig bin, lege ich garantiert kein Feuer in meiner Zelle! In Deutschlands Gefängnissen muss man nicht mit Folter rechnen, es lässt sich dort relativ gut leben. Der ums Leben gekommene Syrer trägt m. E. die Hauptschuld an dem tödlichen Ausgang!

  • 2 Kuwe Weber 06.05.2019, 21:01 Uhr

    Typischer WDR/NDR-Bericht, lesen, ärgern, löschen.

    Antworten (2)
    • M. Lill 07.05.2019, 05:52 Uhr

      Wieso? Was ist so ärgerlich an diesem Bericht?

    • Beobachter 07.05.2019, 09:54 Uhr

      Typischer Kuwe-Weber-Kommentar: sehen, löschen.

  • 1 Atze 06.05.2019, 18:43 Uhr

    Wie in anderen Fällen auch, die Hauptschuldigen sind unter den Putzfrauen und Pförtnern zu suchen. Weiter oben in der Hierarchie, sind doch alle abgesichert. Da muss sich doch ermitteln lassen, wen man an die Hammelbeine kriegen kann.