Kinderschutz in NRW: Opferbeauftragte kritisiert Jugendämter

Symbolbild Kindesmissbrauch

Kinderschutz in NRW: Opferbeauftragte kritisiert Jugendämter

Von Martin Teigeler

Lügde, Bergisch Gladbach, Münster - nach Missbrauchsfällen hatten Politik, Polizei und Justiz Reformen für einen besseren Kinderschutz eingeleitet. Im Landtag berichteten Fachleute, wie es damit vorangeht.

Beim Schutz von Kindern vor Gewalt besteht offenbar in NRW weiterhin Verbesserungsbedarf. Es gebe "noch einiges zu tun", sagte die Beauftragte für den Opferschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Elisabeth Auchter-Mainz, am Montag in Düsseldorf bei einer Befragung durch die Kinderschutzkommission des Landtags. Sie übte Kritik an Jugendämtern.

Hinweisgeber beklagen fehlende Rückmeldung

Elisabeth Auchter-Mainz

NRW-Opferschutz-Beauftragte Elisabeth Auchter-Mainz

Auchter-Mainz berichtete, sie erlebe "immer wieder", dass Hinweisgeber - zum Beispiel Lehrerinnen, Heimpersonal oder Kinderärzte - angeben, dass sie "gar keine Rückmeldung, kein Kontakt, keine Resonanz" bekommen, nachdem sie einen Verdachtsfall gemeldet hätten. Sie sprach von "wenig Zufriedenheit" mit den Jugendämtern. Sie bekomme Anrufe, wonach dort "ganz junge Leute", denen die nötige Ausbildung fehlt, eingesetzt würden.

Ein Kinderarzt habe ihr berichtet: "Das geht so nicht. Ich melde was, ich bin 30 Jahre in einem Problembezirk, ich sehe das Kind und weiß, wann ich was melde. Aber ich kriege gar keine Rückmeldung."

Die Kinderschutzkommission des Landtags hatte bereits in ihrem Jahresbericht 2020 moniert, dass in den 186 Jugendämtern des Landes sehr unterschiedlich gearbeitet werde. Personal und Arbeitsbelastung seien ungleich verteilt, landesgesetzliche Standards fehlten.

Mehr Ermittlungen wegen "Kinderpornografie"

Markus Hartmann

Markus Hartmann, Leiter von ZAC NRW

Über den Fortschritt der Ermittlungen wegen "Kinderpornografie" im Internet erteilte der Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC), Markus Hartmann, den Abgeordneten Auskunft. Es gebe beispielsweise einen hohen Bedarf, Ermittler fortzubilden, um bei der Auswertung von Datenträgern auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Experten des LKA und Richter berichteten zudem, dass der Anteil von tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen wegen "Kinderpornografie" zwischen 2017 und 2020 von 16 auf 42 Prozent angestiegen sei. Dies liege auch daran, dass Fotos von unbekleideten Minderjährigen oft in Chatgruppen geteilt würden. Das ziehe umfangreiche Ermittlungen nach sich.

Wenn Opfer auf Therapie warten müssen

Mehrere Fachleute kritisierten, dass Kinder, die Opfer geworden sind, oft zu lang auf eine Therapie warten müssen. "Bislang ist die Praxis so, dass Opfern bisweilen sogar untersagt wird, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, solange nicht eine abschließend verwertbare richterliche Vernehmung erfolgt ist", sagte Edwin Pütz, Richter am Amtsgericht Düsseldorf. Dies könne eine weitere Traumatisierung zur Folge haben.

Der Landtag hatte die Kinderschutzkommission im November 2019 unter dem Eindruck der Missbrauchsskandale in Lügde und Bergisch Gladbach eingesetzt. Das Ziel der Kommission ist, die Rechte von Kindern zu stärken. Neben der Kommission gibt es auch noch einen Untersuchungsausschuss, der aufklären soll, wie es zu dem hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im lippischen Lügde kommen konnte.

Zwischenbilanz U-Ausschuss Lügde Westpol 16.05.2021 UT DGS Verfügbar bis 16.05.2022 WDR

Stand: 20.09.2021, 13:38

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