Fehlende Kinderbetreuung im Sommer

Fehlende Kinderbetreuung im Sommer

  • Sommer-Lücke zwischen Kitas und Schulen in NRW
  • Ministerien schieben sich gegenseitig Verantwortung zu
  • Andere Bundesländer haben Lösungen gefunden

Die schönste Zeit des Jahres erfordert in vielen Familien einiges an Organisationstalent: Wohin mit den Kindern während der Sommerferien? Das betrifft in diesem Sommer besonders Eltern von Vorschulkindern. Aufgrund der späten Ferien ab Mitte Juli startet die Schule in NRW erst am 28. August.

Dies führt dazu, dass manche Vorschulkinder bis zu sechs Wochen ohne Betreuung sind. Einige Eltern müssen darum ihren gesamten Jahresurlaub nehmen.

Notlösung mit Großmutter

Die Sommerlücke betrifft zum Beispiel Irina Prüm aus Leverkusen. Ihre Tochter ist Vorschulkind. Martha muss schon Ende Juli die Kita verlassen, wird jedoch erst Ende August eingeschult. Ein großes Problem für die Familie.

Familientherapeutin: Schulreife individuell überprüfen

WDR 2 12.02.2019 03:06 Min. WDR 2

Download

"Mein Mann und ich sind beide berufstätig", sagt Irina Prüm. Die Eltern arbeiten beide fünf Tage die Woche, werden ab 5. August zehn Tage gemeinsam Urlaub nehmen und im Anschluss wird die Großmutter aus Bayern anreisen und Martha noch neun Tage bis zur Einschulung betreuen. Denn dann müssen die Eltern schon wieder arbeiten.

Kita-Jahr verschieben?

Der Landeselternbeirat der Kindertageseinrichtungen in NRW fordert jetzt von der Landesregierung, das Kitajahr zu verschieben und am 31. August enden zu lassen.

Das aber können sich die Kitaträger aus der Freien Wohlfahrtspflege nicht vorstellen: Denn dann wären Kita-Gruppen doppelt belegt.

Eigentlich haben Eltern bundesweit einen Rechtsanspruch auf Förderung ihrer Kinder in einer Kita bis zum Schuleintritt - also auch Irina Prüm aus Leverkusen.

Doch während die meisten anderen Bundesländer Lösungen für das Problem gefunden haben, schieben sich in NRW das Familien- und das Schulministerium die Verantwortung hin und her. In insgesamt zwölf Bundesländern können Kinder tatsächlich bis zum Schuleintritt in der Kita oder im Hort bleiben. NRW ist eines von vier Bundesländern, wo das nicht so ist.

Die Kommunen sind jedoch in der Pflicht, den Eltern ein Betreuungsangebot zu machen. Leverkusen bietet zum Beispiel ein Ferienprogramm an für Kinder, die aus der Kita in die Grundschule wechseln.

Ministerium verweist auf Gesetzespläne

Joachim Stamp

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP)

Und was macht Familienminister Joachim Stamp (FDP)? Sein Ministerium sieht keinen Handlungsbedarf und erklärt schriftlich lediglich: "Die Landesregierung beabsichtigt, die Möglichkeiten der Betreuung für Kinder im letzten Jahr vor der Einschulung bis zum ersten Schultag in der anstehenden Kinderbildungsgesetz-Reform deutlich(er) herauszustellen."

Irina Prüm aus Leverkusen muss also mit Martha irgendwie über den Sommer kommen. Aber im Landeselternbeirat will sie weiter dafür kämpfen, dass auch in NRW die Kinder generell bis zu Einschulung in der Kita bleiben dürfen.

Stand: 23.06.2019, 06:30