NRW geht gegen Grabsteine aus Kinderarbeit vor

Ein Mädchen arbeitet in einem Steinbruch

NRW geht gegen Grabsteine aus Kinderarbeit vor

  • NRW will Importverbot durchsetzen
  • Zertifikate geplant
  • Bereits jetzt seriöse Kontrollen

Viele Grabsteine auf NRW-Friedhöfen stammen laut einem Gutachten der Hochschule Düsseldorf aus asiatischen Steinbrüchen, die Kinderarbeiter einsetzen. Zukünftig sollen Natursteine aus China, Indien, Vietnam und den Philippinen nur dann importiert werden dürfen, wenn ein Zertifikat belegt, dass die Produkte ohne Kinderarbeit gefertigt worden sind. Das kündigte die Landesregierung bereits am Dienstag an.

Noch kein Zeitplan

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann

Man wolle den "schlimmsten Formen der Ausbeutung klar und deutlich einen Riegel vorschieben", erklärte Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Freitag (07.09.2018). Die Staatskanzlei teilte mit, sie werde jetzt das Verfahren zur Anerkennung von Zertifizierungsstellen einleiten. Es soll bis März 2019 abgeschlossen sein.

Danach müssen die anerkannten Zertifizierungsstellen alle Lieferbetriebe in den betroffenen Ländern überprüfen. Wenn diese Überprüfung beendet ist, können Importgrabsteine entsprechend zertifiziert und diese Zertifikate zur Voraussetzung für eine Aufstellungserlaubnis durch die Friedhofsträger gemacht werden.

Gesetz ist mehr als drei Jahre alt

Das NRW-weite Aufstellungsverbot für Grabsteine aus Kinderarbeit ist zwar offiziell schon seit dem 1. Mai 2015 gültig - umgesetzt wurde es aber bisher nicht. Für Walter Eberlei von der Hochschule Düsseldorf ist die stockende Umsetzung ein Ärgernis. "Es gab eine sehr aktive Lobbyarbeit gegen eine Einschränkung des Geschäfts", sagt der Politik- und Sozialwissenschaftler.

Eberlei ist Autor jenes Gutachtens, das Kinderarbeit in Steinbrüchen der vier genannten asiatischen Ländern nachweist oder für sehr wahrscheinlich erklärt. Die Entscheidung der Landesregierung, diese Länder auf eine schwarze Liste zu setzen, bezieht sich auf seine Untersuchung.

Störversuche aus der Wirtschaft

Prof. Dr. Walter Eberlei

Walter Eberlei

In den vergangenen Jahren habe es zahlreiche Versuche von Naturstein-Importeuren gegeben, allzu strenge Regeln abzuwenden, sagt Eberlei. So habe zum Beispiel ein großer Import-Export-Verband ein eigenes Zertifikat ins Leben gerufen. "Die Kontrolleure haben ihre Besuche in den Steinbrüchen vorher angekündigt. Natürlich war dann kein Kind mehr da."

Dabei gebe es bereits seriöse Anbieter von Zertifikaten, sagt Eberlei, zum Beispiel die Organisationen "Fair Stone" oder "Xertifix". Auch Natursteine aus Ländern wie der Türkei, Brasilien oder Südafrika seien in der Regel unbedenklich.

Dennoch seien Steine aus Indien bei deutschen Steinmetzen weiter sehr beliebt. "Sie sind gut zu bearbeiten und beim Preis leider unschlagbar."

Stand: 07.09.2018, 15:57