Kampagne gegen falsche Einnahme von Antibiotika

Die Hand einer Apothekerin greift in einer Apotheke in ein Regal mit Medikamenten

Kampagne gegen falsche Einnahme von Antibiotika

  • Ärzte und Patienten sollen sensibilisiert werden
  • Bei unsachgemäßem Einsatz drohen Resistenzen
  • Überdurchschnittlich viele Verordnungen in NRW

In Nordrhein-Westfalen werden im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele Antibiotika verordnet - oft auch unnötig. Gerade bei Erkältungskrankheiten seien Antibiotika meist wirkungslos, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag (02.12.2019). Gemeinsam mit Spitzenvertretern aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft des Landes startete er eine Informationskampagne gegen leichtfertige Verordnungen und Einnahme der hoch wirksamen Medikamente.

Aktionswoche im Februar

Eine wichtige Botschaft - gerade in der kalten Jahreszeit: Antibiotika können nur Bakterien bekämpfen, keine Viren. Erkältungskrankheiten werden aber in neun von zehn Fällen durch Viren verursacht. Die zweite zentrale Botschaft: Durch häufigen und unsachgemäßen Einsatz von Antibiotika werden Bakterien widerstandsfähig gegen die Arznei, die dann im schlimmsten Fall bei lebensbedrohlichen Krankheiten nicht mehr wirkt.

Ob ein Infekt bakteriell oder viral verursacht sei, lasse sich im Rahmen eines Schnelltests beim Arzt mit ein paar Tropfen Blut abklären, sagt der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Karlheinz Großgarten. In NRW lägen die Verordnungen von Antibiotika um zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt, so Großgarten.

Richtige Einnahme der Medikamente

Patienten sollen - ebenso wie Ärzte - durch die breit angelegte Informationskampagne "Rationale Antibiotikaversorgung in NRW" für eine verantwortungsbewusste Abwägung sensibilisiert werden. Sie will mit Faltblättern, Internetangeboten, Informationsständen und einer Aktionswoche im Februar aufklären und wird von den Spitzenverbänden der Ärzte, Apotheker, Krankenkassen und Krankenhäuser in NRW getragen.

Die Kampagne thematisiert unter anderem, wie man die Medikamente richtig einnimmt. Immer wieder hören Patienten nämlich, laut Ministerium, zu früh mit der Antibiotika-Einnahme auf, weil es ihnen schnell besser geht. Die Folge: Die Bakterien würden so zwar abgeschwächt, aber nicht getötet. Dies könne die Entstehung von Resistenzen gegen das entsprechende Antibiotikum beschleunigen.

"Antibiotika gehören zu den schärfsten Schwertern der Menschheit im Kampf gegen Infektionskrankheiten", betonte Gesundheitsminister Laumann. Durch ihren unsachgemäßen Einsatz drohe dieses Schwert stumpf zu werden.

Modellprojekt: Weniger Antibiotika!

WDR 5 Westblick - aktuell 23.10.2019 03:16 Min. Verfügbar bis 22.10.2020 WDR 5

Download

Stand: 02.12.2019, 17:00