Zellenbrand Kleve: Eltern des Opfers stellen Strafanzeige

Ein junger Mann in der Nahaufnahme. Er trägt einen modischen Kurzhaarschnitt und hat den Kragen seines Anoraks lässig aufgestellt.

Zellenbrand Kleve: Eltern des Opfers stellen Strafanzeige

Von Martina Koch

Der Tod des Syrers Amad A. nach einem Brand im Gefängnis in Kleve konnte bis heute nicht aufgeklärt werden - seine Eltern erheben nun neue Vorwürfe.

Es ist eine neue Wendung in einer Geschichte voller ungeklärter Fragen: Die Anwälte der Eltern von Amad A. haben nach WDR-Informationen Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Kleve eingereicht. Sie vermuten, dass "gezielt Spuren vernichtet werden sollen."

Ihr Vorwurf: Sie vermuten eine Urkundenfälschung oder zumindest eine Urkundenunterdrückung - also Informationen, die ihnen die Behörden vorenthalten haben könnten. Die Staatsanwaltschaft Kleve hatte die Ermittlungen gegen Polizisten bereits eingestellt. Über die Beschwerde der Eltern dagegen hat die Staatsanwaltschaft noch nicht abschließend entschieden.

Unschuldig in Haft - durch Fehler der Behörden

Der Syrer Amad A. war im Juli 2018 wegen einer Personenverwechslung für die Verbrechen eines Mannes aus Mali inhaftiert worden. Ursache dafür soll laut Landeskriminalamt (LKA) die rechtwidrige fehlerhafte Zusammenführung der Datensätze beider Personen durch eine Polizeiangestellte gewesen sein. Ein Fehler mit fatalen Folgen: Amad A. war nach einem Zellenbrand im September 2018 gestorben.

An der offiziellen Darstellung der Behörden haben die Anwälte erhebliche Zweifel. Erst im November hatten sie von der Staatsanwaltschaft Kleve eine lesbare Fassung des Veränderungsprotokolls der polizeiinternen Datenbank erhalten. Alle Veränderungen in den Polizeidatenbanken werden automatisch protokolliert und durchnummeriert.

Anwälte fragen: Wurden Einträge doch gelöscht?

Nach Angaben der Anwälte fehlen in dem vorliegenden Veränderungsprotokoll Einträge. Dafür gäbe es nach Ansicht der Anwälte zwei Möglichkeiten: Entweder sei das Veränderungsprotokoll nicht vollständig vorgelegt worden, dann frage man sich warum. Oder aber die entscheidenden Einträge seien tatsächlich gelöscht worden.

Die Eltern des unschuldig eingesperrten Syrers Amad A.

Die Eltern des unschuldig eingesperrten Syrers Amad A.

Im Landtag von Nordrhein-Westfalen befasst sich seit zwei Jahren ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss (PUA) mit den ungeklärten Fragen im Fall Amad A. Beamte des LKA hatten dort ausgesagt, Datensätze seien fälschlicherweise zusammengeführt worden. Zweifel an dieser Darstellung gab es viele, bisher konnte aber auch die offizielle Darstellung nicht widerlegt werden.

Die Eltern von Amad A. sind bisher nicht als Zeugen im Ausschuss vernommen worden. Sie vermuten, dass ihr Sohn womöglich vorsätzlich inhaftiert wurde. Über ihre Anwälte ließen sie mitteilen, die "erschreckenden Nachrichten über rechtsextreme Chat-Gruppen in der nordrhein-westfälischen Polizei verdeutlichen erneut, dass auch im Fall des Amad A. sämtliche Straftaten und Missstände aufgeklärt werden müssen."

Stand: 23.12.2020, 11:00

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