Beauftragte fordert Verbesserungen beim Opferschutz

Elisabeth Auchter-Mainz

Beauftragte fordert Verbesserungen beim Opferschutz

Von Sabine Tenta

  • Opferschutzbeauftragte für NRW stellt Jahresbilanz vor
  • Über 820 Menschen haben Hilfe gesucht
  • Forderung nach konkreten Maßnahmen für den Opferschutz

Es gibt Verbrechen, die stehen im öffentlichen Fokus: die Amokfahrt in Münster oder der massenhafte sexuelle Machtmissbrauch in Lügde. In diesen Fällen ist das Team der Opferschutzbeauftragten des Landes NRW, Elisabeth Auchter-Mainz, aktiv auf die Opfer zugegangen.

Sie hat zum Beispiel Kontakte zu wichtigen Ansprechpartnern vermittelt und über Rechte und Hilfsangebote aufgeklärt. Am 2. und 3. Mai wird das Team Sprechstunden für Betroffene in Lügde anbieten.

Auch Jahre nach der Tat Hilfe nötig

Aber auch vergleichsweise kleine Delikte können große Not auslösen: Wenn zum Beispiel Senioren Opfer eines Enkeltricks wurden und sich nicht mehr sicher fühlen.

Immer wieder melden sich auch Opfer, bei denen die Tat juristisch längst verjährt ist. Die in ihrer Jugend in den 1950er-Jahren in einem Heim Opfer sexualisierter Gewalt oder von Medikamentenversuchen wurden. In all diesen Fällen hilft das Team der Opferschutzbeauftragten. Anfang Dezember 2017 hat das vierköpfige Team seine Arbeit aufgenommen.

Opferschutzbericht NRW vorgestellt

WDR aktuell - Der Tag 30.04.2019 10:10 Min. WDR 3

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Bilanz nach einem Jahr

Am Dienstag (30.04.2019) hat Auchter-Mainz ihren ersten Jahresbericht vorgestellt. Bis Ende März 2019 haben sich demnach über 820 Hilfesuchende an die Opferschutzbeauftragte gewandt. "Wir haben Neuland betreten", sagte Auchter-Mainz rückblickend. NRW war nach Berlin das zweite Bundesland, das eine Opferschutzbeauftragte benannt hat.

Zu ihrer Tätigkeit gehört auch das Netzwerken auf institutioneller Ebene. Wer kann wo überall Opferhilfe leisten? Wer sind die Ansprechpartner? Wissen alle voneinander? Deshalb hat das Team von Auchter-Mainz vier regionale Netzwerktreffen in NRW organisiert.

Die konkreten Defizite im Opferschutz

Elisabeth Auchter-Mainz versteht sich selbst als "Wächterin des Opferrechte". Deshalb hat sie nach "einem sehr intensiven und spannenden Jahr" in ihrem Jahresbericht auch Vorschläge für eine Verbesserung des Opferschutzes gemacht: So sei das Verfahren der Opferentschädigung viel zu formalisiert und schwerfällig.

Zudem bräuchte man mehr Sonderdezernate, unter anderem für Gewalt gegen Senioren, für häusliche Gewalt und Gewalt gegen Einsatzkräfte. "Das ist ein Signal für Opfer: da fühle ich mich aufgehoben."

Eine weitere Forderung ist die, mehr Hilfsangebote für Männer einzurichten. Insbesondere für Opfer von sexualisierter Gewalt. Es gebe viel zu wenig Beratungsstellen für Männer im Land.

Stand: 30.04.2019, 13:42