Streit um die Fuchsjagd in NRW

Ein Jäger geht zusammen mit seinem Hund  durch den Wald

Streit um die Fuchsjagd in NRW

Von Rainer Striewski

  • Fuchsjagd im Bau in NRW wieder zulässig
  • Landesregierung weitet Ausnahmen im Jagdgesetz aus
  • Nicht alle Umweltschützer sind empört

Das Ökologische Jagdgesetz scheint sich zum politischen Dauerthema in NRW zu entwickeln. Schon vor seiner Verabschiedung 2015 durch die damalige rot-grüne Landtagsmehrheit hatte es für heftigen Streit zwischen Jägern und Naturschützern gesorgt.

Und auch danach wollte die Kritik nicht verhallen. Der Jagdverband etwa kritisierte, dass das Gesetz die Jagd auf Beutegreifer wie den Fuchs deutlich erschwere. Das sei schlecht für den Schutz von Bodenbrütern, schließlich gäbe es zu viele Füchse, die eben auch seltene Vögel fressen.

Tatsächlich war seit der Reform des Jagdgesetzes die Fuchsjagd etwa im Natur- und Kunstbau in großen Teilen NRWs verboten. Doch das Gesetz sah Ausnahmen vor (Paragraf 19, Absatz 3). Und die hat die neue schwarz-gelbe Landesregierung nun ausgeweitet.

Info: Landesjagdgesetz NRW - §19, Absatz 3

(3) Abweichend vom Verbot des Absatzes 1 Nummer 8 Buchstabe b kann die zuständige untere Jagdbehörde zum Schutz der Tierwelt auf Basis einer von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung erarbeiteten und regelmäßig fortzuschreibenden Gebietskulisse jeweils für deren Gültigkeitsdauer zeitweise die Baujagd im Kunstbau erlauben.
Quelle: Landesjagdgesetz NRW

Dietrich Zerrs (Nabu-Naturschutzstation Niederrhein)

Dietrich Zerrs will mehr Füchse schießen lassen

Dietrich Zerrs von der Nabu-Naturschutzstation Niederrhein kann das sogar nachvollziehen: "Wenn man Füchse nur sehr kleinräumig bejagt, dann hat man das Phänomen, dass mit dem Ende der Jagdzeit dann sofort die Füchse aus Nachbarrevieren einwandern", erklärt Zerrs. Dann habe man eigentlich genauso viele Füchse wie im Jahr zuvor.

Jäger "bauen" Fuchswohnungen

Bei der nun ausgeweiteten Baujagd wird der Fuchs vom Hund des Jägers aus seinem Bau getrieben - entweder aus seinem natürlichen oder einem künstlichen Bau, von Jägern geschaffen. Weil der Fuchs bei der Flucht aus dem Bau kaum eine Überlebenschance hat, ist diese Art der Jagd umstritten.

Ausnahme vom Land ausgeweitet

Ein Fuchs (Vulpes vulpes) auf der Jagd.

Räuber mit schlechtem Image

Dennoch hat die Landesregierung beschlossen, die enstprechenden Ausnahmen im Jagdgesetz auszuweiten - und zwar "zum Schutz der Tierwelt auf das gesamte Landesgebiet mit Ausnahme befriedeter Bezirke", wie es in einer Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Norwich Rüße heißt.

Anders als der Nabu sieht das "Aktionsbündnis Fuchs" darin einen "Kniefall vor der Jägerlobby". Das Bündnis, ein Zusammenschluss von Tier- und Naturschutzorganisationen, hat deshalb Mitte Januar einen offenen Brief an die Abgeordneten des NRW-Landtags geschrieben.

Es dürfe nicht das Ziel sein, dem Druck der Jägerlobby nachzugeben "und den bereits unzureichenden Schutz des Fuchses weiter aufzuweichen", heißt es in dem Schreiben.

Der Brief kommt zur rechten Zeit. Die Abgeordneten werden sich schon bald wieder mit dem Jagdgesetz befassen müssen, denn die schwarz-gelbe Landesregierung plant bereits seine Novellierung.

Seit September 2017 hat sich eine Arbeitsgruppe "Nachhaltiges Jagdgesetz" schon fünfmal im Umweltministerium zusammengesetzt. Ihre Aufgabe: Eckpunkte für ein neues Jagdgesetz erarbeiten.

Gespräch mit Holger Sticht - Was ist ein ökologisches Jagdgesetz? (03.02.2015)

Stand: 04.02.2018, 06:00

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