Keine Änderung beim Islamunterricht in NRW

Muslimische Kinder beim Islamkunde-Unterricht in Bonn (Aufnahme von 2007)

Keine Änderung beim Islamunterricht in NRW

Von Ayca Tolun

  • Islamunterricht sollte neu konzipiert werden
  • NRW kooperiert aber weiter mit umstrittenen Verbänden
  • Islamrat mit Nähe zu verfassungsfeindlicher Organisation

Seit 2012 wird an Schulen in NRW Islamunterricht angeboten. Eingeführt wurde er noch von der damaligen rot-grünen Landesregierung. Als 2017 die Spitzelaffäre rund um Ditib losbrach, gab es jedoch massive Kritik an diesem Unterricht.

Denn die Ditib war auch mit einem Sitz in dem Beirat vertreten, der über Unterrichtsinhalte und Lehrer mit entscheidet. Allerdings lässt sie den Sitz nach wie vor ruhen. NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) kündigte Änderungen bei Gestaltung und Organisation des Islamunterrichts an. Doch passiert ist seitdem nichts.

"Ditib hat Chance zum Neuanfang vertan"

WDR 5 Diesseits von Eden Beiträge | 01.01.2018 | 06:48 Min.

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Beiratsmodell umstritten

Der bekenntnisorientierte Islamunterricht wird nach wie vor durch das Schulministerium mit den vier umstrittenen Islam-Verbänden gemeinsam gestaltet. Im November hatte das OVG Münster jedoch bestätigt, dass der Islamrat und der Zentralrat der Muslime keine Religionsgemeinschaften im Sinne des Grundgesetzes seien.

Warum hält das Land immer noch am Beiratsmodell fest? Auf WDR-Anfrage teilte das Schulministerium schriftlich mit: "Da es auf Seiten der Muslime keine anerkannte Religionsgemeinschaft gab und gibt, kooperiert das Land mit einem Beirat auf gesetzlicher Grundlage."

Damit scheint die Landesregierung nun doch der Linie zu folgen, die schon die frühere rot-grüne Koalition eingeschlagen hatte - trotz der gegenteiligen Ankündigung von Integrationsminister Stamp.

Auch "Milli Görüs" mit eingebunden

Doch es gibt noch weitere Probleme: Der Islamrat beherbergt in seinen Reihen unter anderem den Verband "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs". Dieser wird seit langem vom NRW-Verfassungsschutz beobachtet.

Tatsächlich war der Verband von Anfang an mit in die Arbeit des Rates eingebunden. Das bestätigt auch Siegried Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen. Man habe das Problem damals im Griff gehabt, erklärt sie.

Land will liberale Muslime einbinden

Derweil bemüht sich die Landesregierung, ein anderes Versprechen einzulösen: Neben den bisherigen Beiratsmitgliedern will sie auch liberale Muslime in die Organisation und Gestaltung des Islamunterrichts einbinden. Die ersten Gespräche mit marokkanischen Gemeinden laufen bereits.

Allerdings könnte hier neuer Ärger drohen: "Wir sehen uns nicht als liberale Muslime", erklärt Omar Kuntish vom Bündnis der marokkanischen Gemeinden. "Wir möchten diese auch nicht - wir vertreten die auch nicht", so Kuntish weiter. Für ihn sei aber stets wichtig gewesen, ins Gespräch mit dem Schulministerium zu kommen und am Prozess teilhaben zu können.

Stand: 14.03.2018, 06:00