Interview zur Merkel-Wahl: "Es ist allerhöchste Zeit"

Angela Merkel bei Rede im Bundestag.

Interview zur Merkel-Wahl: "Es ist allerhöchste Zeit"

Angela Merkel ist zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt worden. Damit endet eine sechsmonatige Übergangslösung mit geschäftsführender Regierung. Fängt die Arbeit im Bundestag damit erst an?

Stefan Rouenhoff, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Kleve

Der 39-jährige Stefan Rouenhoff wurde im September 2017 als CDU-Direktkandidat im Kreis Kleve erstmals in den Bundestag gewählt. Dort ist er u.a. Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie.

WDR: Herr Rouenhoff, wie haben Sie die vergangenen sechs Monate mit einer geschäftsführenden Regierung im Bundestag erlebt? War's langweilig?

Stefan Rouenhoff: Für mich waren die letzten Monate arbeitsintensiv. Wir haben in Berlin natürlich nicht die Hände in den Schoß gelegt. Ich habe mich in verschiedene Themen eingearbeitet und viele Hintergrundgespräche geführt. Zudem habe ich mich auf die Arbeit in meinem Wahlkreis in Kleve konzentriert. Hierzu gehören Themen wie Digitalisierung, medizinische Versorgung oder auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Ich habe die Zeit genutzt, um dann, wenn es soweit ist, auch in Berlin Vollgas geben zu können. Ich bin froh, dass am Mittwoch die Wahl der Bundeskanzlerin im Bundestag stattfindet. Es ist allerhöchste Zeit.

WDR: Warum? Was haben Sie denn bisher nicht machen können?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am 23.11.2016 im Bundestag in Berlin.

Bisher nur geschäftsführend im Amt: Angela Merkel

Rouenhoff: Eine geschäftsführende Regierung ist immer nur eine Übergangslösung. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir etwa auf europäischer Ebene wieder handlungsfähig und als Motor wahrgenommen werden. Dass wir mit Frankreich die Themen voranbringen, die Europa und Deutschland zukunftsfest machen - und dabei natürlich dem aufkommenden Rechtspopulismus entschlossen entgegentreten.

WDR: Nach der Wahl der Bundeskanzlerin wird das neue Kabinett vereidigt. Ist Merkel mit der Berufung etwa von Jens Spahn zum Gesundheitsminister der nötige Neuanfang gelungen?

Rouenhoff: Als Volkspartei müssen wir uns breit aufstellen. Wir haben mit der Mannschaftszusammensetzung nun eine gute Lösung gefunden. Ich denke, dass dieses Aufbruchsignal in der Partei angekommen ist. Und ich hoffe auch, dass in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde, dass wir in der CDU die Weichen für die Zukunft gestellt haben.

WDR: Dann befindet sich also auch die zukünftige Parteiführung bereits in dieser Mannschaft?

Angela Merkel, Horst Seehofer und Olaf Scholz bei der Unterzeichnung der Koalitionsvereinbarung von CDU, CSU und SPD im Paul-Loebe-Haus in Berlin

Die dritte Große Koalition unter Angela Merkel steht

Rouenhoff: Die Frage stellt sich gerade nicht. Wir haben mit Angela Merkel eine Bundeskanzlerin, die unter Beweis gestellt hat, dass sie uns durch schwierige Zeiten führen kann. Jetzt geht's darum, in den nächsten Jahren eine Politik zu verfolgen, die die neuen Herausforderungen angeht. Und dann wird die Nachfolge-Frage irgendwann Thema werden.

Das Gespräch führte Rainer Striewski.

Stand: 13.03.2018, 12:31