Harsche Kritik an schwarz-gelben Inklusions-Plänen

Archivbild: Schülerinnen arbeitet in der Gemeinschaftsgrundschule, eine Inklusionsschule

Harsche Kritik an schwarz-gelben Inklusions-Plänen

Von Rainer Kellers

  • Landtag streitet über Inklusions-Pläne der Landesregierung
  • Schulministerin verteidigt Qualitätsstandards für Inklusion
  • SPD und Grüne: Ministerin zementiere das System der Förderschulen

Mehrmals musste der Landtagspräsident die Glocke bemühen. Es war laut am Donnerstag (12.07.2018) im Landtag. Blutdruck und Emotionen kochten hoch. Es ging um die Inklusion, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderungen. Und bei diesem Thema sind die ideologischen Gräben zwischen den politischen Lagern tief.

Landtagsdebatte zur Inklusionsreform

WDR 5 Westblick - aktuell | 12.07.2018 | 03:56 Min.

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Standards für die Inklusion

Vor einer Woche hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ihre Ideen für die Inklusion in der Sekundarstufe I vorgestellt. Geplant ist, die Inklusion auf einige Schulen zu konzentrieren. Diese Schulen müssen Qualitätsvorgaben erfüllen, sollen im Gegenzug aber kleinere Klassen und mehr Personal bekommen.

Gleichzeitig schraubt Gebauer die Mindestgrößen für die Förderschulen nach unten. Das bedeutet: Auch kleine Einheiten mit wenigen Schülern können weiter existieren.

Überhastet und planlos

Für CDU, FDP und auch AfD sind diese Pläne ein Befreiungsschlag. Rot-Grün habe die Inklusion überhastet und planlos auf die Schulen losgelassen. "Eine hervorragende Idee wurde schlampig und ideologisch umgesetzt", schimpft die FDP-Abgeordnete Franziska Müller-Rech.

11.07.2018 Düsseldorf: Yvonne Gebauer (FDP), Schulministerin von Nordhein-Westfalen, spricht im Plenarsaal des Landtages während der Debatte.

Ministerin Gebauer verteidigt ihre Inklusions-Pläne

Jahrelang habe es keine Qualitätsstandards gegeben, konstatiert Schulministerin Gebauer. Jetzt hätten die Eltern von Kindern mit Förderbedarf eine "echte Wahlmöglichkeit".

Viel Kritik am Inklusions-Konzept

SPD und Grüne hingegen haben die Schulministerin im Verdacht, in Wahrheit gegen die Inklusion zu arbeiten und die Struktur der Förderschulen zementieren zu wollen.

Weitere Kritikpunkte von SPD und Grünen:

  • Gymnasien: An den Gymnasien soll die Inklusion künftig in der Regel "zielgleich" ablaufen. Das heißt: Die Anforderungen sind für behinderte und nicht behinderte Schüler gleich. Damit sei Inklusion an Gymnasien kaum noch möglich, meint die SPD. Allerdings hat Gebauer versprochen, Gymnasien, die "zieldifferenten" Unterricht anbieten wollen, ebenfalls zu unterstützen.
  • Fehlende Lehrer: Es gebe viel zu wenig Sonderpädagogen, um die Qualitätsstandards einzuhalten. Schwarz-Gelb habe zu wenig unternommen, um neue Lehrer auszubilden.
  • Sonderpädagogen werden abgezogen: Die Grünen halten der Ministerin vor, die heutigen Inklusionsschulen ausbluten zu lassen. So würden Sonderpädagogen von Regelschulen abgezogen und an Förderschulen versetzt. Gebauer kündigt an, sich die Fälle im Einzelnen anzuschauen.

In einem Jahr soll die Inklusion-Standards gelten. Bis dahin wird der Landtagspräsident wohl noch öfter die Glocke bemühen müssen.

Stand: 12.07.2018, 17:00