Neue Regeln für Inklusion an Schulen | 01:35 Min. | Verfügbar bis 06.07.2019

Inklusion: Neue Regeln für das gemeinsame Lernen

Rainer Kellers

  • Gemeinsames Lernen wird neu geregelt
  • Für jede inklusive Klasse eine halbe Lehrerstelle zusätzlich
  • Förderschulen dürfen kleiner werden

Die NRW-Landesregierung hat Eckpunkte für die Inklusion festgelegt. Die neuen Regeln sollen ab dem Schuljahr 2019/2020 gelten, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag (06.07.2018). Um diese Fragen geht es:

Sollen alle Schulen inklusiv werden?

Nein. Schulministerin Gebauer will Ressourcen bündeln und die Inklusion nur an solchen Schulen umsetzen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Wie viele Schulen es sein sollen, sagt die Ministerin nicht. Derzeit gibt es Inklusionsklassen an jeder dritten weiterführenden Schule.

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Welche Voraussetzungen müssen die Schulen erfüllen?

Die "Schulen des Gemeinsamen Lernens" müssen über ein pädagogisches Konzept zur Inklusion verfügen. Es müssen sonderpädagogisch geschulte Lehrkräfte und passende Räume vorhanden sein. Alle neuen Eingangsklassen müssen inklusiv sein und dürfen eine bestimmte Größe nicht überschreiten.

Wie groß dürfen die Klassen sein?

In den Klassen dürfen maximal 25 Kinder sein. Drei davon - nicht mehr und nicht weniger - sind Kinder mit Förderbedarf. Für jede dieser Klassen steht eine zusätzliche halbe Lehrerstelle zur Verfügung.

Gilt das auch für Grundschulen?

Nein, diese Regeln gelten für die Sekundarstufe I. Für Grundschulen gibt es keine festen Quoten. Die Schulministerin will aber in diesem und im kommenden Jahr jeweils 600 zusätzliche Sozialpädagogen an die Grundschulen holen, um alle Kinder besser fördern zu können.

Was ist mit den Gymnasien?

Auch Gymnasien können "Schulen des Gemeinsamen Lernens" werden. Allerdings müssen nicht alle Eingangsklassen inklusiv sein, sondern mindestens zwei.

Wird es weiter Förderschulen geben?

Ja. Das Ministerium hat eine neue Verordnung zur Mindestgröße der Förderschulen herausgegeben.

Wie viele neue Lehrer soll es geben?

Wenn die Sekundarstufe I komplett umgestellt ist - im Schuljahr 2024/2025 - sollen es 5.778 zusätzliche Stellen sein. Wo all die Sonderpädagogen herkommen sollen, ist unklar. Schon jetzt ist der Markt leergefegt. Das Land hat für das kommende Wintersemester 250 neue Studienplätze für Sonderpädagogik eingerichtet. Zudem laufen Fortbildungsprogramme für Lehrer.

Was kosten die neuen Stellen?

Für die zusätzlichen Stellen an weiterführenden Schulen gibt das Land bis 2025 insgesamt 1,36 Milliarden Euro aus. Die rund 1.200 neuen Pädagogen an den Grundschulen kosten bis 2025 rund 484 Millionen Euro.

Wie fällt das Echo auf die neuen Regeln aus?

"Lehrer NRW" teilt mit, der Inklusionsprozess erhalte ein "solides konzeptionelles Fundament". SPD und Grüne beklagen, dass die Inklusion zu langsam und nicht an allen Schulen umgesetzt werde.