Wie die NRW-Impfkampagne wieder Fahrt aufnehmen soll

Stand: 15.11.2021, 17:17 Uhr

Erst wurden die Impfzentren geschlossen, jetzt sollen schnell neue Impf-Anlaufstellen geschaffen werden. Die SPD fordert mehr Impf-Busse, die Hausarztpraxen sind laut Ärzteverband enorm belastet.

Von Martin Teigeler

Angesichts steigender Corona-Fallzahlen fordert die SPD wieder mehr Tempo bei der Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen. Wie in Rheinland-Pfalz sollten mehr Impf-Busse eingesetzt werden, die mit "festen Haltestellen durch das ganze Land" fahren, forderte die SPD-Fraktion am Montag in Düsseldorf. "Zur Bekämpfung der Pandemie brauchen wir niedrigschwellige Angebote – sowohl beim Testen als auch beim Impfen."

Ende September hatte NRW - wie die meisten anderen Bundesländer - die großen Impfzentren in Hallen und Stadien vor allem aus Kostengründen geschlossen. Die SPD hatte dies bereits im August kritisiert. SPD-Landeschef Thomas Kutschaty nannte die Schließung der Zentren zum 30. September unlogisch und unvernünftig. Nicht jeder habe einen Haus- oder Betriebsarzt.

In der vergangenen Woche forderte die CDU/FDP-Landesregierung die Kommunen nun per Erlass auf, wieder mehr feste Impfstellen zu schaffen, um bei den Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus schneller zu werden.

Eine Wiedereröffnung der großen, teuren Impfzentren werde nicht erwogen, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Stattdessen gehe es jetzt darum, näher an die Menschen heranzurücken - etwa mit Impf-Bussen oder Angeboten in Turnhallen, U-Bahnstationen, leerstehenden Ladenlokalen oder an Universitäten.

Die Kommunen bauen ihre Angebote aus, kritisieren aber, dass sie zu wenig Vorlaufzeit für die Organisation haben. Der Ausbau gehe nicht "über Nacht", teilte der NRW-Städtetag bereits Anfang November mit. Das Land müsse die Kosten der Impfstellen tragen. Vieles wirkt in diesen Tagen hektisch und improvisiert in NRW.

Starke Belastung der Hausarztpraxen

Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein teilte dem WDR am Montag mit: "Mit der Schließung der Impfzentren hat die Politik das Impfgeschehen weitgehend in die Praxen verlagert. Die Praxen im Rheinland beteiligen sich zu einem großen Umfang an den Auffrischimpfungen (aktuell fast 4.000)." Allerdings sei die Belastung der Praxen "momentan auch enorm".

Die vom Land per Erlass angekündigten "niedrigschwelligen Impfangebote" sollen "künftig hochgefahren werden". Die Kassenärztliche Vereinigung organisiere "dafür ebenso das ärztliche Personal, so dass künftig auch in kleineren Impfstellen neben den Arztpraxen geimpft werden kann".

Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, sagte, die Booster-Impfungen nähmen jetzt Fahrt auf. "Gleichzeitig fällt die Infektwelle in diesem Herbst stärker aus als im letzten Jahr. Das führt dazu, dass die Belastung in den Praxen aktuell maximal ist. Die Praxisteams arbeiten tatsächlich an der Grenze ihrer Belastbarkeit", so Richter-Scheer. Man wünsche sich von der Politik "eine klare Linie und eine strukturierte, einheitliche Vorgehensweise". Wenn Expertenmeinungen des Robert Koch-Instituts und Vorstöße der Politik in unterschiedliche Richtungen gingen, erschwere das den Ablauf in den Praxen unnötig.

Laumanns Brief an die Ü70-Jährigen

Am 19. Oktober hatte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) angekündigt, dass alle Menschen über 70 Jahren einen Brief mit Infos zur Auffrischungsimpfung bekommen werden. Bei vielen Bürgerinnen und Bürger aus dieser Altersgruppe ist die Zweitimpfung nämlich schon ein halbes Jahr her - der Schutz lässt nach. In Einzelfällen kam der von Laumann angekündigte Brief allerdings erst Mitte November an.

In dem Laumann-Schreiben, das dem WDR vorliegt, werden Über-70-Jährige an ihre Hausärzte verwiesen. Impfangebote der Kommunen erwähnt der Minister nicht. "Seit Ihrer letzten Corona-Schutzimpfung müssen für diese Auffrischung mindestens sechs Monate vergangen sein", schreibt Laumann. Allerdings wird politisch auch über Booster-Impfungen nach bereits fünf Monaten debattiert.