Dortmund bekommt 400 Millionen Euro teures ICE-Werk

Berlin: Ein ICE 4 steht im ICE-Werk Rummelsburg in der Wartungshalle.

Dortmund bekommt 400 Millionen Euro teures ICE-Werk

Von Christian Wolf

Wenn die Bahn mehr Menschen von der Straße auf die Schiene holen soll, muss das Angebot stimmen. Funktionierende ICE gehören dazu. In Dortmund soll demnächst ein neues Werk für Reparaturen entstehen.

Wer regelmäßig oder auch nur ab und zu mal mit der Bahn fährt, kennt das: Mal ist eine Toilette kaputt, mal ist die Reservierungsanzeige ausgefallen und mal ist ein ganzer Wagen gesperrt, weil die Klimaanlage nicht funktioniert. Irgendwas ist immer.

Damit der Zug trotzdem fahren kann und es wegen technischer Probleme nicht zu Ausfällen kommt, ist eine regelmäßige Wartung und Reparatur nötig. In Zukunft wird das noch wichtiger. Denn die Bahn hat viel vor. In den kommenden Jahren sollen die Fahrgastzahlen verdoppelt werden. Die Flotte von derzeit 335 ICE soll langfristig auf 600 vergrößert werden. Kaputte Züge, die nur in der Gegend rumstehen, helfen da nicht weiter.

ICE-Werk auf brachliegender Fläche

Aus diesem Grund will die Deutsche Bahn ein zusätzliches ICE-Werk bauen, in dem Züge gewartet und repariert werden. Am Montag wurde bekannt gegeben, dass das Werk in Dortmund entstehen soll - westlich des Dortmunder Hafens auf der seit Jahren brachliegenden Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs Westfalia.

Düsseldorf: Blick durch ein kaputtes Fenster in eine ehemalige Wartungshalle auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs Westfalia.

Seit 2007 ist das Gelände des alten Güterbahnhofs unbenutzt

Laut DB-Vorstandsmitglied Berthold Huber seien zwar auch andere Standorte wie zum Beispiel Frankfurt am Main geprüft worden. Doch der Dortmunder Standort sei "geradezu ideal". Denn: 13 Fernverkehrslinien berührten Dortmund, mehrere Verbindungen starteten und endeten dort. Für ein Instandhaltungswerk ist es natürlich hilfreich, wenn die Züge auch in der Nähe sind.

500 neue Arbeitsplätze

Für Dortmund bedeutet das neue Werk eine Mega-Investition. 400 Millionen Euro sollen ausgegeben werden. Laut DB-Vorstand Ronald Pofalla will man versuchen, die Aufträge auch im Umfeld auszuschreiben, damit die heimische Bauwirtschaft profitiert.

Berlin: Rocco Adamski, Fahrzeuginspekteur, inspiziert im ICE-Werk Rummelsburg Fahrwerk und Unterbau eines ICE 4.

500 Arbeitsplätze sollen in dem ICE-Werk Dortmund entstehen

Ist das ICE-Werk fertig, sollen dort 500 Arbeitsplätze entstehen. Pofalla sprach am Montag von "hochbezahlten Industriearbeitsplätzen", NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst freute sich über "zukunftssichere Arbeitsplätze". Die Entscheidung für Dortmund sei ein "starkes Commitment der Bahn für Nordrhein-Westfalen".

Bis zu 17 Züge pro Tag in der Wartung

Der Zeitplan sieht so aus: Noch in diesem Jahr sollen die Vorbereitungen für das Genehmigungsverfahren anlaufen. Im ersten Halbjahr 2022 sollen die Pläne in einem offenen Bürgerdialog vorgestellt werden. Der Baubeginn ist für 2025, die Inbetriebnahme für 2027 geplant. Dann sollen in der 450 Meter langen Wartungshalle bis zu 17 ICE-Züge pro Tag fit gemacht werden. Hinzu kommt: Das Werk wird zu 100 Prozent CO2-neutral betrieben.

Mit dem neuen Instandhaltungswerk in Dortmund wird die Zahl der ICE-Werke der Bahn auf insgesamt elf steigen. Drei davon befinden sich dann in NRW. Schon jetzt gibt es eins in Dortmund und eins in Köln.

Stand: 18.10.2021, 12:26