Hospitalisierungsrate: Jetzt gelten neue Leitindikatoren für die Pandemie

Ein Arzt und ein Pfleger kümmern sich um einen Covid-19-Patienten

Hospitalisierungsrate: Jetzt gelten neue Leitindikatoren für die Pandemie

Bei der Frage, wo wir in der Pandemie stehen, war lange der Inzidenzwert entscheidend. Doch ab Montag weist NRW noch zwei andere Werte zur Einschätzung der Lage aus: Hospitalisierungsrate und Intensivkapazität.

Dass der Inzidenzwert als alleiniger Maßstab für die Coronalage nicht mehr ausreichend ist, wird schon länger diskutiert. Am Freitag hat die Landesregierung daher die Coronaschutzverordnung aktualisiert. Künftig sind zur Bewertung des Infektionsgeschehens drei Leitindikatoren entscheidend:

  • die 7-Tage-Inzidenz
  • die 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz (Fälle der Coronapatienten im Krankenhaus pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen)
  • die Auslastung der Intensivbetten

Welche Grenzwerte bei den drei Faktoren zu welchen Maßnahmen führen, wollte das NRW-Gesundheitsministerium allerdings "aufgrund der aktuellen Stabilisierung der Werte" noch nicht festlegen. Stattdessen soll zunächst das Zusammenwirken der verschiedenen Indikatoren "etwa unter Berücksichtigung des Impfstatus, der Altersverteilung für Hospitalisierungswahrscheinlichkeiten oder die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Krankenhauseinweisung und später erforderlicher Intensivbehandlung weiter genau beobachtet werden".

Die neuen Kriterien zur Bewertung der Pandemie-Lage gelten in NRW ab dem 13. September. Der bisher entscheidende Grenzwert von 35 bei der 7-Tage-Inzidenz sei damit nicht mehr von Bedeutung, teilte das Ministerium mit. Die 3G-Regelung bleibe aber wegen des aktuellen Infektionsgeschehens unverändert bestehen - auch wenn ab Montag (13.09.2021) die neuen Richtwerte ausgewiesen werden.

Coronaschutzverordnung verlängert bis Herbstferien

Die so aktualisierte Coronaschutzverordnung für NRW wird bis zum 8. Oktober 2021 verlängert. "Rechtzeitig vor den Herbstferien" könne so das Infektionsgeschehen neu bewertet werden.

Zuvor hatte der Bundesrat einem neuen Gesetz zugestimmt, wonach als neuer Kennwert die Zahl der innerhalb von sieben Tagen neu aufgenommenen Covid-19-Patienten in Krankenhäusern je 100.000 Einwohner, die Hospitalisierungsrate, gelten soll. Die konkrete Umsetzung im Detail sollen die Länder selber bestimmen.

Laumann warnt Ungeimpfte

Die neuen Indikatoren erscheinen schon wegen ihre Anzahl komplizierter als die bisherige Orientierung am Inzidenzwert. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte dazu am Freitag: "In der aktuellen Situation mit einer völlig unterschiedlichen Entwicklung bei Geimpften und nicht Geimpften oder auch in den verschiedenen Altersgruppen ist die Betrachtung vielfältiger Faktoren der richtige Weg." Man wisse noch zu wenig darüber, wie sich das Impfgeschehen auf eine mögliche Herbstwelle auswirke, als dass man sich auf starre Werte festlegen könne. Daher habe man auch "auf pauschale Grenzwerte zum jetzigen Zeitpunkt verzichtet".

Nicht Geimpften stünden im Herbst "besondere Gefährdungen" bevor, warnte Laumann. Wenn die Pandemie sich dann ungünstig entwickele, könnten "für diese Personen neue Schutzmaßnahmen erforderlich werden". Das habe aber "Jede und Jeder selbst in der Hand".

Stand: 10.09.2021, 17:44