Wer bremst die Holzpreise?

Wer bremst die Holzpreise?

Von Nina Magoley

Die Baubranche boomt - und ist dennoch wie gelähmt: Besonders die Preise für Holz explodieren, viel wird ins Ausland verkauft. Bundeswirtschaftsminister Altmaier lehnt ein Ausfuhrverbot ab.

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die weltweite Wirtschaft zieht nach dem Einbruch durch die Pandemie wieder an. Die Baubranche boomt und besonders gefragt ist Holz - doch die Holzpreise sind seit Jahresbeginn explodiert. Und: Holz ist in Deutschland reichlich vorhanden - wird aber zurzeit massenhaft ins Ausland verkauft, sodass es hierzulande knapp ist.

Wer gerade renoviert oder neu baut, kann das hautnah erleben: Bretter, Dachlatten und andere Holzprodukte kosten mittlerweile teils das Dreifache vom Preis noch vor einem Jahr. Für Unternehmen bedeutet das erhebliche Probleme. Handwerksbetriebe wissen nicht, wie sie bei rasant steigenden Materialpreisen ihre Angebote kalkulieren sollen, ohne Verluste zu riskieren. Sie warten wochenlang auf Lieferungen, Baustellen ruhen, weil es an Material fehlt.

"Paradox": Kurzarbeit trotz voller Auftragsbücher

Nicht nur Holz, auch andere Baustoffe, wie Metall, bestimmte Kunststoffe und Elektronikkomponenten, sind derzeit Mangelware oder exorbitant teuer. Zahlreiche Betriebe bringe das in die "völlig paradoxe Lage", bei vollen Auftragsbüchern Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken zu müssen, meldet der Zentralverband des Deutschen Handwerks und spricht von einer "noch nie da gewesenen" Materialknappheit bei gleichzeitiger Preisexplosion.

Besonders krass aber ist die Lage in der Holzindustrie - bei Waldbauern, Sägewerken und Schreinereien. Allein seit April seien die Preise für Schnittholz um 33 Prozent gestiegen, meldete der Handwerksverband.

Holz-Mangel am Bau Markt 19.05.2021 08:11 Min. UT Verfügbar bis 19.05.2022 WDR Von Dieter Könnes; Burkhard Vorländer

Der weltweite Kampf um die Holzpreise war deshalb auch Thema auf der Konferenz der Wirtschaftsminister der Länder zusammen mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Düsseldorf. Deutschland habe ein "hohes Interesse, einen Beitrag zur Entspannung zu leisten", sagte Altmaier zum Abschluss am Freitag - aber richtig überzeugend klang das nicht.

Billiges Borkenkäferholz

Einer von mehreren Gründen für das Dilemma ist der starke Borkenkäferbefall der deutschen Wälder in den vergangenen Jahren - NRW war besonders betroffen: Dadurch sind die Lager für Rundholz in den Sägewerken zwar voll - nach strengen Richtlinien aber darf dieses "Schadholz" in Deutschland nicht wie vollwertiges Holz verkauft werden. In vielen anderen Ländern spielt das keine Rolle - mit dem Effekt, dass viel Borkenkäfer-Holz aus Deutschland in andere Teile der Welt, nach China oder in die USA exportiert wird, statt auf dem heimischen Markt zu bleiben.

Sägeindustrie und der Holzhandel profitierten davon, während die Waldbauern, die das Holz zunächst zu niedrigen Preisen verscherbeln müssen, nichts von den zusätzlichen Einnahmen abbekämen, klagte kürzlich der Deutsche Forstwirtschaftsrat.

DIN-Vorschriften ändern

Er wolle nun erreichen, sagte Altmaier, dass die DIN-Vorschrift in Deutschland dahingehend geändert wird, dass auch vermeintliches Schadholz, das aber tatsächlich von hoher Qualität ist, auch in Deutschland zu normalen Preisen verkauft werden kann. Außerdem müssten Waldbauern die Genehmigung erhalten, mehr Frischholz zu schlagen, als bisher erlaubt, ohne dafür mehr Steuern zu zahlen.

Einen Exportstopp für deutsches Holz dagegen lehnt Altmaier ab: Mit staatlichen Eingriffen in weltweite Preismärkte müsse man vorsichtig sein, erst recht mit Ausfuhrbeschränkungen. Deutschland sei in vielen Bereichen auf einen funktionierenden Weltmarkt angewiesen, "und wir wollen ja auch selber nicht, dass andere Länder wichtige Exporte zu uns stoppen". Eine der Pandemie geschuldete Ausnahme seien die vorübergehenden Ausfuhrbeschränkungen für Masken und Schutzkleidung und für Impfstoffe gewesen.

Er sei sicher, sagte Altmaier in Düsseldorf, dass sich die derzeit irren Holzpreise in den kommenden Wochen wieder normalisieren würden. Warum und wodurch - das ließ er offen.

Stadtgespräch aus Siegen: Mondpreise für Holz

WDR 5 Stadtgespräch 10.06.2021 55:23 Min. Verfügbar bis 10.06.2022 WDR 5


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Holzpreise steigen: Baumaterial wird knapp Lokalzeit Bergisches Land 30.04.2021 02:40 Min. Verfügbar bis 30.04.2022 WDR Von René Rabenschlag

Stand: 18.06.2021, 14:58