Kaputte Schulen, zerstörte Rathäuser: Große Unwetter-Schäden an öffentlichen Gebäuden

Trümmer des Holzfußbodens liegen in der Glasfachschule in Rheinbach

Kaputte Schulen, zerstörte Rathäuser: Große Unwetter-Schäden an öffentlichen Gebäuden

Von Christian Wolf

Auch an kommunalen Einrichtungen hat die Unwetterkatastrophe Schäden angerichtet. Das Ausmaß ist noch immer unklar, es ist aber von Milliarden die Rede.

Als vor drei Wochen das verheerende Unwetter über NRW hereinbrach, machten die Wassermassen vor nichts Halt: Häuser und Wohnungen von Privatpersonen wurden ebenso getroffen wie Ladenbesitzer und Unternehmen. In der Katastrophe waren alle gleich. Das gilt auch für Schulen oder Rathäuser. Die Wassermassen richteten an öffentlichen Gebäuden immense Schäden an.

75 Millionen Euro Schaden allein in Stolberg

Patrick Haas, Bürgermeister von Stolberg

Bürgermeister Patrick Haas

Schwer getroffen wurde zum Beispiel die Stadt Stolberg bei Aachen. Insgesamt 24 öffentliche Objekte sind durch das Unwetter beschädigt: das Rathaus, eine Mehrzweckhalle, mehrere Schulen und Kitas, Feuerwehrgerätehäuser und das Kulturzentrum. Die Kosten werden im Moment auf 75 Millionen Euro geschätzt. Es könnte aber gut sein, dass die Summe noch höher ausfällt. "Wir reden über eine immense Anzahl an Schäden", sagt Bürgermeister Patrick Haas (SPD).

An einen normalen Betrieb der Verwaltung ist vorerst nicht zu denken. Denn im Rathaus wird noch immer aufgeräumt: Verwüstete Büros müssen ausgeräumt und der Keller vom Schlamm befreit werden. Eine Info-Tafel am Eingang informiert die Bürger mit dem Nötigsten.

Sanierung oder Neubau des Rathauses

Rathaus von Stolberg nach dem Unwetter

Verwüstung und Schlamm im Stolberger Rathaus

Im Erdgeschoss hat es den gerade erst frisch renovierten Bürgerservice und das Jugendamt getroffen. Die Technik im Keller mit Lüftung und Elektrik ist zerstört. "Der Aufzug funktioniert nicht mehr und wird auch so nicht mehr in Betrieb genommen werden können", sagt Bürgermeister Haas. Ob und wie es mit dem bisherigen Rathaus weitergeht, sei noch unklar. "Jetzt müssen wir sehen, ob eine Sanierung das Ganze angehen kann oder ob wir hier über einen kompletten Neubau sprechen müssen."

Schäden in Milliardenhöhe

NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach kann zwar noch keine Gesamtsumme für ganz NRW nennen, da noch nicht alles zusammengetragen sei. "Aber wir kommen in einem hohen Milliardenbetrag raus", sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag dem WDR. Helfen solle der Wiederaufbaufonds, der gerade zwischen Bund und Ländern gestrickt wird.

Ina Scharrenbach (CDU), Bauministerin von Nordrhein-Westfalen, spricht während einer Pressekonferenz

NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU)

Kurzfristig wurden laut Scharrenbach Lösungen gefunden, wie die Verwaltungen wieder arbeiten können. Im Fall von Stolberg sei ein Teil im Gerätehaus der Feuerwehr untergekommen. "Aber das ist natürlich keine langfristige Lösung", so die Ministerin. Da gehe es zum Beispiel um Container, "bis ein neues Rathaus da ist". Komplizierte Ausschreibungen für die Arbeiten würden vereinfacht, Handwerker aus anderen Regionen animiert, vor Ort zu helfen.

Einschränkungen zum Schulstart nach den Ferien

Auch zahlreiche Schulen wurden vom Hochwasser getroffen. Laut dem Düsseldorfer Schulministerium gibt es mehr als 150 Schadensmeldungen mit unterschiedlichem Ausmaß. Noch sind Ferien, da sind die Auswirkungen gering. Doch was ist, wenn der Unterricht in knapp zwei Wochen wieder beginnen soll?

Hausmeister Günter Reiz geht durch einen zerstörten Klassenraum der Swistbachschule in Swisttal-Heimerzheim

Zerstörtes Klassenzimmer in Swisttal

"Wir gehen davon aus, dass der Schulstart gelingen kann", sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag bei einem Besuch von zwei beschädigten Schulen in Rheinbach und Euskirchen. Man müsse aber sicherlich noch mit Einschränkungen rechnen. In "ganz, ganz wenigen Fällen" sei der Schulstart am 18. August noch unklar.

Auch in Stolberg setzt man alles daran, dass zum Schulstart wieder etwas Normalität herrscht. Zwar sind dort drei Grundschulen und ein Gymnasium betroffen. Doch von der Stadt heißt es, dass "alle Kinder und Schüler zum Schulstart untergebracht werden können, teilweise in Provisorien".

Stand: 05.08.2021, 14:51