Werden nun alle Unis durch Corona zu Fern-Unis?

Leerer Hörsaal in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Werden nun alle Unis durch Corona zu Fern-Unis?

Von Christoph Ullrich

  • Corona legt auch den Hochschulbetrieb lahm
  • Vorlesungsbeginn bereits verschoben
  • Studium mit möglichst wenig Präsenz im Hörsaal
  • Kommen digitale Prüfungen an Unis und FHs?

Noch stellt Corona die Hochschulen vor keine allzu großen Herausforderungen. Zumindest vom Papier her. Das Sommersemester ist zwar zum 1. April gestartet. Aber gerade die Universitäten beginnen mit ihren Vorlesungen traditionell erst etwas später im Monat.

Entsprechend war der Zeitverlust durch die Verschiebung des Vorlesungsbeginns auf den 20. April bisher überschaubar. Doch was ist, wenn die Corona-Pandemie die Landesregierung zwingt, die Hörsäle über dieses Datum hinaus schließen zu müssen? Spätestens dann stehen fast alle der 69 Hochschulen im Land vor großen Herausforderungen.

Werden alle Hochschulen zur Sommer-Fern-Uni?

Einige der Universitäten und Fachhochschulen bereiten sich auf diesem Ernstfall vor. Die Ruhr-Universität Bochum verzichtet bis Juli auf Seminare, bei denen die Studierenden in die Hochschule müssen. Die TU Dortmund arbeitet an Lösungen, Seminare, Vorlesungen und sogar Prüfungen digital abhalten zu können. Orientieren wollen sich viele an der Fern-Uni Hagen, die seit Jahrzehnten in der Lehre ohne Anwesenheit auskommt.

Die Hochschulen in NRW: Digital genug für Corona?

WDR 5 Westblick - aktuell 02.04.2020 03:55 Min. Verfügbar bis 02.04.2021 WDR 5

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Doch es gibt rechtliche Grenzen. Auch aus diesem Grund hat die Landesregierung am Mittwoch (01.04.2020) das sogenannte Epidemie-Gesetz auf den Weg gebracht. Die Hochschulen genießen in NRW weitgehende Freiheiten. Eingriffe des Ministeriums sind eher selten, aber wegen Corona eventuell notwendig, heißt es aus dem Ministerium.

Epidemie-Gesetz auch für den rechtlichen Hochschulschutz

Mit dem Gesetz könne man "den Hochschulen diejenigen Regelungen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, um das Sommersemester 2020 unter den Bedingungen der Corona-Krise durchführen zu können", heißt es von einer Sprecherin auf Nachfrage. Vor allem bei Prüfungen gibt es wohl noch offene Fragen, besonders bei denen, für die Studierende eigentlich vor Ort sein müssten. Zum Beispiel bei schriftlichen Klausuren oder bei Sportprüfungen. Daher haben die Hochschulrektoren das neuen Pandemie-Gesetz laut Ministerium begrüßt.

In der kommenden Woche soll - so ein Ministeriumssprecher auf WDR-Nachfrage - eine Abstimmung mit den Hochschulen stattfinden, was für Regelungen es aus der Politik braucht, damit Unis und FHs im Sommersemester ihre Prüfungen rechtssicher abhalten können.

Die Hochschulautonomie gerät an ihre Grenzen

Das Sommersemester 2020 dürfe "kein verschenktes Semester für die Studierenden sein", schreibt es die Rektorin der TU Dortmund, Ursula Gather, in einer Rundmail. Um das aber sicherzustellen - soviel scheint aktuell sicher - muss auch die Freiheit der Hochschulen offenbar eingeschränkt werden.

Uni 2.0 - Wie fit sind unsere Hochschulen?

WDR RheinBlick 11.10.2019 31:24 Min. Verfügbar bis 11.10.2020 WDR Online

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Stand: 02.04.2020, 09:57