Neue Hotline gegen Missbrauch führt zu Ermittlungen

Ein Junge mit gesenktem Kopf und vor dem Gesicht verschränkten Armen

Neue Hotline gegen Missbrauch führt zu Ermittlungen

Von Benjamin Sartory

Durch das neue Hinweistelefon für sexuellen Missbrauch wurden bislang acht Ermittlungsverfahren ausgelöst. Das wurde in der Kinderschutzkommission des Landtags bekannt.

Seit dem Start des NRW-Hinweistelefons für sexuellen Missbrauch am 22. Oktober sind dort 80 Anrufe eingegangen. Das berichtete am Montag (29.11.) ein Vertreter der Landesregierung der Kinderschutzkommission im Landtag. Das Gremium war als Reaktion auf den schweren Kindesmissbrauch in Lügde gegründet worden.

Demnach wollte ein Großteil der Anrufer zunächst nur Infomaterial haben. 20 Anrufe wurden aber von den Hotline-Mitarbeitern des Landeskriminalamtes als Verdachtsfälle eingestuft. Acht davon lösten weitere Ermittlungen aus, in zwei Fällen wurde das Jugendamt informiert. Mehr Details wurden nicht genannt.

SPD und FDP fordern mehr Schulungen

Dafür setzte sich die Kinderschutzkommission mit möglichen Verbesserungen in der Justiz auseinander. Aus Sicht unter anderem von FDP und SPD haben verschiedene Anhörungen in dem Gremium zum Beispiel gezeigt, dass es mehr und bessere Schulungen für die Justiz im Umgang mit minderjährigen Missbrauchsopfern geben müsse.

Dennis Maelzer von der SPD kritisierte außerdem, dass Missbrauchsopfern manchmal geraten werde, erst nach dem Gerichtsverfahren eine Therapie zu machen. Hintergrund sei die Sorge bei der Justiz, dass die Therapie die Aussage der Opfer verfälsche.

Das müsse sich ändern, so Maelzer. Es gebe für laufende Gerichtsverfahren auch geeignete Therapieformen, sie seien allerdings nicht überall bekannt.

Datenschutz vs. Ermittlungserfolg

Und auch der ewige Konflikt zwischen Datenschutz und Ermittlerarbeit war Thema in der Kinderschutzkommission. Nach jahrelangem Hickhack dürfen Provider derzeit sogenannte Verkehrsdaten von Handys und Internetverbindungen nur sieben Tage lange speichern - also zum Beispiel wer hat in welcher Funkzelle wann mit wem telefoniert?

Selbst die sonst eher auf Seiten des Datenschutz stehende FDP hält die kurze Speicherfrist für nicht mehr zeitgemäß. Zwei Wochen oder sogar ein Monat wären angemessen und verhältnismäßig, meinte dazu FDP-Mann Jörn Freynick in der Kinderschutzkommission des Landtags. Ein weiterer Anlauf, um diese Frist der Vorratsdatenspeicherung zu ändern, müsste auf Bundesebene passieren.

Stand: 29.11.2021, 13:56