Ursula Heinen-Esser (24.05.2018)

Flutkatastrophe: Umweltministerin war länger auf Mallorca als bekannt

Stand: 24.03.2022, 15:41 Uhr

NRW-Umweltministerin Heinen-Esser war unmittelbar nach der Flutkatastrophe eine Woche auf Mallorca - länger als bisher bekannt. Die CDU verteidigt, sie habe dort gut gearbeitet.

Von Selina Marx, Torsten Reschke

Es ist Freitag, der 16. Juli 2021. In vielen Teilen NRWs stehen Menschen vor dem Nichts. Die Jahrhundertflut hat ihre Häuser, ihre Existenzen weggerissen. Das schwarz-gelbe Kabinett kommt zu einer Sondersitzung zusammen, um über Rettungs- und Hilfsmaßnahmen zu beraten. Zu diesem Zeitpunkt ist Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) in Düsseldorf. Sie ist angereist, hat ihren Urlaub auf Mallorca unterbrochen. Doch was ist mit den Tagen danach?

Ministerin bereut Aufenthalt auf Mallorca

Bisher war bekannt, dass die Ministerin nach der Kabinettssitzung für mindestens 4 Tage nach Mallorca zurückgekehrt ist, um ihre minderjährige Tochter abzuholen. Das hatte sie im Untersuchungsausschuss Hochwasser zugegeben.

Doch in einem Interview mit der Rheinischen Post berichtet sie nun weitere Details: Ihr Mann sei mit im Urlaub gewesen. Trotzdem habe sie sich entscheiden die Rückkehr der Familie sowie von Freunden der Tocher selbst zu organisieren. "Ich konnte das meinem 76-jährigen Mann nicht zumuten. Wir sind dann als Familie am darauffolgenden Wochenende zurückgeflogen."

Das zeigt, dass die Ministerin nicht wie bisher angenommen vier Tage, sondern eine ganze Woche auf Mallorca war.

Für diese Entscheidung entschuldigt sich die Ministerin nun erstmals: "Ich verstehe, dass es als unsensibel empfunden wird, dass ich nach der Flut eine gute Woche nicht in NRW war. Ich bedauere, dass hier ein falsches Bild entstanden ist, und bitte dafür um Entschuldigung."

Katastrophe mit Ansage: Die Flut und die Landesregierung

Westpol 19.12.2021 06:20 Min. UT DGS Verfügbar bis 19.12.2022 WDR

SPD fordert Rücktritt

Die SPD sieht darin ein absolutes Fehlverhalten und fordert den Rücktritt der Ministerin. Der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling, der auch im Untersuchungsauschuss zur Flutkatastrophe sitzt, begründet die Forderung: „Zu dieser Zeit standen die Betroffenen hüfttief im Schlamm und in den Trümmern ihrer Existenz. Die Ministerin hatte keinerlei Gespür für die Not der Menschen, und sie verfügt offenbar auch nicht über ein angemessenes Amtsverständnis.“

CDU verteidigt Handeln der Ministerin

Anders sieht das Thomas Schnelle (CDU), der ebenfalls Teil des Untersuchungsausschusses ist. Die Ministerin habe sich entschuldigt und vor allem während der Zeit auf Mallorca gearbeitet: "Wir haben noch keinen Hinweis, dass sie in der Sache falsch gearbeitet hat oder das sie eventuell gar nicht gearbeitet hat." Solange es da keine Gegenbeweise gäbe, hält der Landtagsabgeordnete einen Rücktritt für falsch.

Die Ministerin soll noch vor der Landtagswahl ein weiteres Mal als Zeugin im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe befragt werden.