Heftige Kritik an Düsseldorfer Pädophilen-Ambulanz

Ein Symbolbild, wo ein Mann sich auf einem Bildschirm pornografische Bilder ansieht.

Heftige Kritik an Düsseldorfer Pädophilen-Ambulanz

Von Meriem Benslim

  • Bisher kein Beweis für Therapieerfolg
  • Männer berichteten während Therapie von Rückfällen
  • Land fördert Ambulanz mit knapp 300.000 Euro

Wenn Männer in die Pädophilen-Ambulanz in Düsseldorf kommen, dann ist ihnen sehr bewusst, dass die ein schwerwiegendes Problem haben. Die Einrichtung an der Düsseldorfer Uniklinik gehört zum bundesweiten Netzwerk "Kein Täter werden". Hier geht es darum, wie Pädophile lernen, ihre Neigung zu kontrollieren, damit sie keinen Kindesmissbrauch begehen.

Kein Beweis für Therapieerfolg

Nach sechs Jahren Arbeit wächst jedoch die Kritik an der Arbeit der Therapeuten. Es gebe keinen empirischen Beweis für einen Therapieerfolg, sagt Andrej König, Psychologie-Professor an der FH Dortmund. "Man kann bislang nicht sagen, dass das Projekt sexuellen Kindesmissbrauch reduziert."

Das bestätigt auch der Sexualmediziner Till Amelung, der selbst für das Netzwerk arbeitet. Aus seiner Sicht ist die Rückfallquote der therapierten Männer bisher nicht niedrig genug: "Die ist in der behandelten Gruppe bei 20 Prozent."

Männer berichteten während Therapie von Rückfällen

Einige Männer, sagt Therapeut Amelung, berichteten nach Therapieende von den Rückfällen. Andere erzählten schon während der laufenden Behandlung, dass sie ein Kind sexuell missbrauchen.

Zwar dürfen Therapeuten in solchen Fällen ihre Schweigepflicht brechen – rechtlich verpflichtet sind sie dazu aber nicht. Bisher hätten die Therapeuten des Netzwerks ihre Patienten nicht angezeigt, wenn sie die von Straftaten berichtet hätten. Gleichwohl, so Amelung, hätten sie dafür gesorgt, dass die Kinder vor den Tätern geschützt würden.

Starke Kritik an Düsseldorfer Pädophilen-Ambulanz

WDR 5 Westblick - aktuell 02.06.2020 05:06 Min. Verfügbar bis 02.06.2021 WDR 5 Von Meriem Benslim

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Jugendamt nur informiert, wenn Täter einverstanden

"Zum Beispiel, wenn wir einen Angehörigen mit im Boot haben, der mit überwacht, dass Täter und Opfer räumlich getrennt sind", beschreibt Amelung ein mögliches Vorgehen. Manchmal aber sei auch das Jugendamt informiert worden. Allerdings nur, wenn die Täter dem zugestimmt hätten.

Der Berliner Psychologe Thomas Schlingmann von der Beratungsstelle "Tauwetter" kritisiert dies scharf. Er findet, dass die Netzwerk-Therapeuten die Täter zu sehr schützen. Stattdessen solle der Kinderschutz im Vordergrund stehen. Deshalb fordert er in jedem Missbrauchsfall "die Einschaltung des Jugendamtes."

Land fördert Ambulanz trotzdem

Trotz dieser Kritik wird die Ambulanz in Düsseldorf von der Landesregierung mit knapp 290.000 Euro im Jahr finanziell unterstützt. "Das Projekt ist für uns förderungswürdig, auch wenn es keinen empirischen Beweis für den Erfolg der Therapie gibt", erklärt ein Sprecher des NRW-Wissenschaftsministeriums knapp.

Neues Gutachten soll Erfolg belegen

Wie das Therapeuten-Netzwerk berichtet, sei die Therapie inzwischen verändert worden. Um den Erfolg zu belegen, wird "Kein Täter werden" nun von einem externen Gutachter untersucht. Die Ergebnisse sollen frühestens 2023 veröffentlicht werden.

Stand: 02.06.2020, 10:01