Kommentar: "Lucky Lutz" verdient mit Schulden Geld

Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU)

Kommentar: "Lucky Lutz" verdient mit Schulden Geld

Von Wolfgang Otto

Eine Pandemie könnte für einen Finanzminister eine furchtbare Zeit sein: Einnahmen brechen weg, Ausgaben explodieren. Doch in der Corona-Krise ist das Amt plötzlich ganz leicht.

Im Kabinett der Landesregierung hatte Finanzminister Lutz Lienenkämper schnell den Spitznahmen „Lucky Lutz“ weg. Denn pünktlich zu seinem Amtsantritt 2017 sprudelten die Steuereinnahmen wie nie zuvor. Mühelos schaffte er schon nach kurzer Zeit den Haushaltsausgleich - die schwarze Null, die in NRW bis dato weitgehend unbekannt war.

So ging das bis 2019 ganz glücklich. Dann kam Corona. Und damit – nein, kein Unglück – sondern noch größeres Glück. Mit einem Mal änderte sich landauf, landab die Meinung darüber, was ein guter Finanzminister zu tun habe. Jetzt war Schuldenmachen plötzlich eine Tugend. Selbst „Lucky Lutz“ konnte sein Glück wohl kaum fassen.

Lienenkämpers Blanko-Scheck

In Berlin brachte Bundesfinanzminister Olaf Scholz seine „Bazooka“ in Stellung. Viele hunderte Milliarden Euro auf Pump sollten die Corona-Krise bekämpfen. Flugs folgte Lienenkämper und spannte für NRW den „Rettungsschirm“ auf. Ein hübscher Begriff für einen Blanko-Scheck.

25 Milliarden Euro an Krediten darf Lutz Lienenkämper damit machen. Unter normalen Umständen hätte die Opposition den ehemaligen Prediger der „Schwarzen Null“ dafür geteert und gefedert. Jetzt im Corona-Notfall gab es Jubel von allen Seiten. Worüber ein Finanzminister nur glücklich sein kann.

Minuszinsen: Geld fürs Geldleihen

Wie glücklich Lienenkämper tatsächlich war, zeigte das erste Jahr unter dem Rettungsschirm. Unfassbar: Er hatte mehr Geld als er ausgeben konnte. Nur acht Milliarden ist er im ersten Jahr überhaupt losgeworden. So etwas passiert einem Finanzminister ganz selten.

Nicht so Lutz Lienenkämper. Der schaffte sogar den „Doppelten Lutz“, sozusagen. Für die Schulden, die er machte, bekommt er noch Geld obendrauf. Die Kreditgeber drängten ihm das Geld geradezu auf und akzeptieren Minuszinsen. Minus 0,12 Prozent.

Für Häuslebauer, die das nicht kennen: Lienenkämper zahlt keine Zinsen, für das Geld, das er sich leiht, sondern er bekommt Geld dafür, dass er sich etwas leiht. Was soll man dazu noch sagen? Einfach „Lucky“, dieser Lutz.

Stand: 26.02.2021, 16:57

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