Betroffenheit in NRW über Tod von Hans-Jochen Vogel

Ein Mann mit schwarzer Brille guckt im Profil in die Kamera

Betroffenheit in NRW über Tod von Hans-Jochen Vogel

  • Hans-Jochen Vogel im Alter von 94 Jahren gestorben
  • Walter-Borjans berichtet dem WDR von Besuch bei Vogel im Februar
  • Respekt über Parteigrenzen hinweg

Er war Bundesvorsitzender der SPD, Bundesminister, Kanzlerkandidat, Münchner Oberbürgermeister, der die Olympischen Spiele 1972 in die Stadt holte und laut Altkanzler Helmut Schmidt ein großes Vorbild nicht nur für sozialdemokratische Generationen. Nun ist Hans-Jochen Vogel im Alter von 94 Jahren gestorben.

Walter-Borjans traf ihn noch im Februar

Die Nachricht löste parteiübergreifend Betroffenheit aus. Der SPD-Bundesvorsitzende Norbert Walter-Borjans aus Köln sagte dem WDR: "Die Nachricht vom Tod Hans-Jochen Vogels macht mich zutiefst traurig. Vogel sei "bis zuletzt ein wegweisender Sozialdemokrat" gewesen. Im Februar hatte der aktuelle den ehemaligen Vorsitzenden der SPD zu seinem 94. Geburtstag in München besucht.

Ein Mann mit grauem Haar sitzt im Rollstuhl und lächelt in die Kamera, rechts daneben sitzt ein Mann im Anzug

Vogel (links) und Walter-Borjans



Trotz seiner gesundheitlichen Beschwerden, sei er ganz der Alte gewesen: "präzise, fordernd, mit wachem Verstand und klarer Werthaltung." Walter-Borjans würdigte Vogels "bis an sein Lebensende währendes hohes Engagement für soziale Wohnungs- und Bodenpolitik", nicht nur das werde unvergessen bleiben. Vogel bleibe "eine Richtschnur für die Politik seiner Partei, der SPD, die weit über seinen Tod hinausreichen wird."

Franz Müntefering, der langjährige SPD-Spitzenpolitiker und frühere Parteivorsitzende, würdigte Vogel als "einen Sozialdemokraten ganz besonderer Art, der für mich und meine Generation ganz viel bedeutet hat". Mit Willy Brandt, Herbert Wehner und Helmut Schmidt sei Vogel "der vierte in der Reihe der großen Sozialdemokraten" der Nachkriegszeit. Wie nur wenige habe er immer an die Kommunalpolitik und die Menschen vor Ort gedacht.

NRW-SPD-Vorsitzender: "ein großartiger Mensch"

Sebastian Hartmann, Vorsitzender der NRW-SPD, nannte Hans-Jochen Vogel einen "großartigen Menschen". Mit ihm verliere seine Partei "einen herausragenden und prägenden Sozialdemokraten". Seine Erfahrungen als Oberbürgermeister Münchens hätten seine Ansichten geprägt, mit denen er später die SPD, aber auch die Bundespolitik stark beeinflusste. Sein soziales Engagement und sein Interesse für die aktuellen Themen der Politik seien ihm bis ins hohe Alter erhalten geblieben. "So nahm er den engen Austausch mit der NRW-SPD zum Thema Wohnungspolitik auf, gab wichtige Anregungen zu bezahlbarem Wohnen und zu einer neuen Bodenpolitik."

Und der Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Thomas Kutschaty, würdigte Vogels moralische Grundsätze, "die nicht zu erschüttern waren". Sein Wertekompass und sein Einsatz für soziale Gerechtigkeit seien stets Leitlinie für die SPD gewesen. "Sie werden es auch weiter bleiben."

Lauterbach: "Beispiel gelungenen Alterns"

Der Leverkusener Bundestags-Abgeordnete Karl Lauterbach (SPD) schrieb auf Twitter, Hans-Jochen Vogel werde der ganzen Bundesrepublik fehlen: "Ich habe besonders seine durch Haltung, Fleiß und Intelligenz geprägte Arbeit bis ins hohe Alter bewundert." Lauterbach nannte ihn auch "ein Beispiel für gelungenes Altern - nie zynisch, immer konstruktiv."

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Respekt über Parteigrenzen hinweg

Joachim Stamp, Vize-NRW-Ministerpräsident und Vorsitzender der NRW-FDP, twitterte Vogels Politik sei von Verantwortung und Vernunft, nicht von Ideologie geprägt gewesen. "Die Haltung sollte uns parteiübergreifend Vorbild sein."

Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz aus Münster schrieb auf Twitter kurz und knapp: "Über Parteigrenzen hinaus respektiert und geschätzt. RIP"

Für Christian Lindner, den Bundesvorsitzenden der FDP und gebürtigen Wuppertaler ist mit Hans-Jochen Vogel "eine große Persönlichkeit gestorben. Er war ein echter Sozialdemokrat mit über jeden Zweifel erhabener Integrität".

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Reker: "großer Denker und Macher"

Die Kölner Oberbrürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) bezeichnete Vogel als "großen Denker und Macher". Seine kommunalen Erfahrungen als OB von München habe Vogel auch in die großen politischen Debatten eingeworfen. Bezahlbarer Wohnraum, gerade in Großstädten, sei eines seiner großen Anliegen gewesen, sagte Reker. "Er war Mahner, Ideengeber, Visionär bis ins hohe Alter, immer geprägt von seiner Nähe zu den Menschen."

Stand: 26.07.2020, 17:29