Mehr Schutzplätze in NRW für männliche Gewaltopfer

Ein Mann steht schemenhaft am Fenster und blickt hinaus

Mehr Schutzplätze in NRW für männliche Gewaltopfer

Die Landesregierung baut ihr Programm für von Gewalt betroffene Männer weiter aus. Anfang kommenden Jahres sollen sich die Plätze in Schutzwohnungen auf 16 verdoppeln.

Ein dreistöckiges, denkmalgeschütztes Haus im Großraum Aachen. Das Erdgeschoss hat eine kleine Küche mit großem Esszimmer, Zugang zum Garten sowie weitere große Räume. In der ersten und zweiten Etage gibt es insgesamt neun Zimmer mit jeweils eigenem kleinen Bad, zu denen steile Treppen hinaufführen - oder ein an das Gebäude angebauter Aufzug.

Gewaltschutzwohnung Maenner vorgestellt

Ministerin Scharrenbach besichtigt die neuen Gewaltschutzwohnungen

Von Januar an soll das ehemalige Nonnenkloster vier Männern und gegebenenfalls ihren Kindern Unterschlupf bieten, wenn sie sonst keinen Ausweg aus einer gewaltbestimmten Partnerschaft finden. "Ein Glücksfall", sagte Stephan Buttgereit vom Sozialdienst katholischer Männer - als er als Vertreter des Trägers der zukünftigen Männerschutzwohnung die Räumlichkeiten vorstellte. "Dadurch brauchten wir hier gar nicht großartig baulich etwas zu verändern. Bei der Begehung des Hauses haben wir gesagt, das ist eigentlich ein ideales Haus, als Gewaltschutzwohnung zu nutzen."

Weitere Schutzwohnung im Münsterland

Zeitgleich sind vier weitere Plätze im Münsterland entstanden, zusammen mit den im vergangenen Jahr eingerichteten Schutzwohnungen in Düsseldorf und Köln gibt es dann insgesamt 16 Plätze für Männer. Die werden dringend gebraucht, erklärte Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach: "Wir haben im Rahmen der Partnerschaftsgewalt 2020 rund 9.800 männliche Opfer gehabt, das war eine deutliche Zunahme gegenüber 2019. "

Eine Männerschutzwohnung auf dem Land

WDR 5 Westblick - aktuell 27.12.2021 03:34 Min. Verfügbar bis 27.12.2022 WDR 5 Von Dorothee Blome-Müller


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Ministerin stellt Gewaltschutzwohnung fuer Maenner vor

Eine neue Schutzwohnung für Männer im Raum Aachen

Und zwar um 7,9 Prozent. Rund jedes dritte Opfer häuslicher Gewalt ist laut der Kriminalstatistik ein Mann. Und wie Männer- und Gewaltberater Manfred Höges in seiner täglichen Arbeit erlebt, holen sich Männer oft erst sehr spät Hilfe. "Sie sind dann oftmals sehr, sehr niedergeschlagen, sehr ratlos, zeigen sehr, sehr starkes Opferverhalten und müssen dann eben ganz, ganz schnell Hilfe bekommen", sagt Höges.

Eine Million Euro für männliche Gewaltopfer

Die Gleichstellungsministerin will, dass aus dem Projekt "Freiraum" eine stetige Einrichtung wird, "weil Gewalt gegen Männer wahrscheinlich genauso wenig nie endet, wie Gewalt gegen Frauen". Eine Million Euro sind im kommenden Jahr für männliche Gewaltopfer im Landeshaushalt eingeplant. Gleichzeitig will Ina Scharrenbach, dass solche Einrichtungen bundesweit geschaffen werden, Bayern und Rheinland-Pfalz seien schon aktiv geworden, "mit anderen Ländern sind wir im Gespräch."

Stand: 27.12.2021, 18:00

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