Wie das Video auf Schulze Föckings Fernseher kam

Montage: Christina Schulze Föcking (CDU) spricht im Landtag, YouTube-Bedienelemente

Wie das Video auf Schulze Föckings Fernseher kam

Von Thomas Drescher

  • Untersuchungsausschuss befragte IT-Kriminalisten
  • Technische Details der Affäre werden klarer
  • Spuren auf dem iPad der Mutter

Was genau geschah am Abend des 15. März 2018 auf dem Hof der damaligen Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU) im münsterländischen Steinfurt?

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss, der dieser Frage nachgeht, tagte am Montag (14.01.2019) zum siebten Mal. Vernommen wurden zwei IT-Forensiker des Landeskriminalamtes NRW, die verschiedene Geräte, darunter diverse Smartphones und einen Fernseher, untersucht hatten.

Stimme aus dem Fernseher

Zur Erinnerung: Kurz nachdem Schulze Föcking gegen 21 Uhr an diesem Abend im März heimkam, hörte sie auf dem Wohnzimmer plötzlich ihre eigene Stimme aus dem Fernseher.

Dort lief eine für die damalige Ministerin unangenehme Fragestunde im NRW-Landtag zu den Zuständen in der Schweinemast auf dem Hof. Aber das Video war kein aktuelles Fernsehprogramm. Wo es stattdessen herkam, war der Ministerin unerklärlich und auch unheimlich, da sie sich wegen zahlreicher Schmäh-Briefe und Hass-Postings persönlich bedroht fühlte.

Also zückte die Ministerin ihr Handy und tat zwei Dinge: Sie filmte die gespenstische Szene in ihrem Wohnzimmer. Dann rief sie die Polizei.

Dass der vermeintliche Hackerangriff eine Fehlbedienung durch ein Familienmitglied war, ist lange klar. Die IT-Kriminalisten erklärten es nun im Detail.

Mutters iPad

Dreh- und Angelpunkt ist das iPad von Schulze Föckings Mutter, die mit ihrem Mann in einer eigenen Wohnung auf dem Hof lebt. Und deren Wohnung über das gleiche WLAN versorgt wird, an dem auch der Fernseher hängt.

Auf diesem iPad fanden die IT-Forensiker sogenannte Protokolldateien, in denen verzeichnet ist, dass genau zur fraglichen Zeit, also kurz nach 21 Uhr, ein Youtube-Video mit eben jener Fragestunde im Landtag gestartet wurde.

Montage: Christina Schulze Föcking (CDU) spricht im Landtag, YouTube-Bedienelemente

Der "Cast-Button" in einem Youtube-Video

Wie erschien nun dieses Video vom iPad der Mutter plötzlich auf dem Fernseher der Tochter? Das liegt, so erklärte einer der Kommissare im Untersuchungsausschuss, an einem kleinen Icon am oberen Bildrand, dem sogenannten "Cast-Button". Betätigt man ihn, dann läuft das Video auf dem Smart-TV weiter, sofern dies mit dem gleichen WLAN verbunden ist.

Dies alles erklärten die Ermittler der Familie schon 14 Tage nach den beunruhigenden Ereignissen, also am 29. März. Da die Familie das so nicht glauben wollte, nahmen die Ermittler die Geräte noch einmal für weitere Untersuchungen mit, kamen aber zum selben Ergebnis. Dennoch informierte die damalige Ministerin die Öffentlichkeit erst am 07. Mai 2018, dass ihr privates Netzwerk wohl doch nicht von außen gehackt worden war.

Stand: 14.01.2019, 19:17