Seit Montag wieder "normal" in die Grundschule

Seit Montag wieder "normal" in die Grundschule

  • Grundschulen in NRW kehren zurück zum Regelbetrieb
  • Schulministerin will Schülern "notwendige Strukturen" bieten
  • Viele Eltern und Lehrer kritisieren Start vor den Ferien

Am Montag (15.06.2020) hat für die rund 600.000 Grundschülerinnen und Grundschüler in NRW eine neue Zeit begonnen. Nicht, weil sie etwa die Klasse oder Schule wechseln würden. Nein, sie bleiben an ihrer Grundschule. Aber diese kehrt nun nach der Corona-Auszeit wieder in den Regelbetrieb zurück.

Heißt konkret: Alle Grundschüler werden nun wieder im Klassenverbund ohne Teilung unterrichtet, das Abstandsgebot fällt weg. Anfangs- und Pausenzeiten müssen aber gestaffelt werden, damit sich die Klassen nicht begegnen. Wenn das nicht möglich sei, sollen etwa im Flur, Sanitärbereich oder auf dem Pausenhof weiter die Abstandsregeln eingehalten werden, teilte das Schulministerium mit.

Wie begründet Schulministerin Gebauer den Regelbetrieb?

"Das Infektionsgeschehen ist stark zurückgegangen", betonte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag 12.06.2020) im WDR. Zudem wäre die Ansteckungsgefahr gering: Studien aus den Niederlanden und Deutschland hätten gezeigt, dass die Infektionsgefahr bei den bis zu Zehnjährigen "gegen Null" laufe.

Die Aufnahme des Regelbetriebs noch vor den Ferien sei wichtig, damit sich die Lehrer einen Eindruck von den Schülern verschaffen können, bevor es ins nächste Schuljahr geht, hatte Gebauer bereits zuvor erklärt. Gerade den jüngsten Schülern sollten vor den Ferien noch einmal die "notwendigen Strukturen" gegeben werden.

"Es geht hier nicht nur um körperliche, sondern auch um seelische Unversehrtheit", so Gebauer. Sie sehe die Sorgen und Ängste bei Lehrkräften und Eltern. Man könne aber in diesen Zeiten nicht auf einen "Königsweg" zurückgreifen, "weil es ihn schlicht und einfach nicht gibt".

Wie reagieren Eltern und Lehrer auf die Schulöffnung?

Besorgt. In einem offenen Brief an Schulministerin Gebauer etwa fragen Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen der Duisburger Grundschulen, warum das Konzept so kurzfristig und zudem zwei Wochen vor den Sommerferien umgesetzt werde. "Für unsere Kinder und unsere Schulen wünschen wir uns nichts mehr als einen wieder geregelten Normalbetrieb - aber verbunden mit einem nachvollziehbaren Umgang mit Risiken und Sicherheit für die Gesundheit."

Auch die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Ayla Celik kritisierte die Grundschulöffnung: "Das Unverständnis besteht darin, dass im öffentlichen Raum noch Abstands- und Hygieneregeln gelten und in der Grundschule seitens des Ministeriums aufgehoben werden", sagte Celik bereits in der vergangenen Woche. Ein Normalbetrieb sei nicht möglich, kritisierte auch die Lehrergewerkschaft VBE. Zudem werde eine überhöhte Erwartungshaltung bei den Eltern geweckt, so Landeschef Stefan Behlau.

Regelbetrieb Grundschule – kann das gutgehen?

WDR 5 Tagesgespräch 12.06.2020 44:42 Min. Verfügbar bis 12.06.2021 WDR 5

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Müssen alle Kinder wieder in die Grundschule?

Ja, denn in NRW gilt die Schulpflicht. Kinder mit Vorerkrankungen können aber laut Schulministerium von der Schulpflicht befreit werden, vorausgesetzt, sie legen ein Attest vor. Das gelte auch für Kinder, die in einem Haushalt mit vorerkrankten Personen leben.

Wie geht es nach den Ferien weiter?

Nach den Sommerferien sollen nach dem Willen Gebauers alle Schulen in NRW wieder in den Regelbetrieb zurückkehren. Darin sei sich die Kultusministerkonferenz einig, so Gebauer. Mit Beginn des regulären Schuljahres sollten dann auch die Abstandsregeln fallen, betonte die Kultusministerkonferenz-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD).

Stand: 15.06.2020, 06:00