Westpol: Grundschulen fühlen sich vernachlässigt

Schüler und Lehrerin während einer Unterrichtsstunde an einer Grundschule in Görlitz

Westpol: Grundschulen fühlen sich vernachlässigt

  • Grundschulen fordern mehr Hilfe vom Land
  • Besoldung immer noch ungerecht
  • Gebauer verspricht Masterplan

"Ich wünsche allen i-Dötzchen einen schönen Start auf ihrem Weg zu bester Bildung," sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) den 158.400 Erstklässlern zum Start des neuen Schuljahres am Donnerstag (29.08.2019).

Die i-Dötzchen sind gleich mittendrin in der Mangelwirtschaft unseres Bildungssystems: 1.468 Stellen an den 2.781 Grundschulen in NRW sind aktuell unbesetzt.

Unterricht nach Plan ist die Ausnahme

Für Michael Kaulingfrecks, Leiter der Annette-von-Droste-Hülshoff-Grundschule in Münster-Nienberge, hat der Stress in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen. Von den 220 Schultagen des letzten Schuljahres "waren nur 29 nach Plan".

An den restlichen Tagen waren die Lehrer krank oder in Fortbildung. Dann musste Kaulingfrecks improvisieren und zum Beispiel Fächer zusammenlegen, um den kompletten Stundenausfall zu vermeiden. Was nicht immer gelang.

Der Masterplan und die dehnbare Zeitnähe

Im Koalitionsvertrag mit der CDU hat die FDP 2017 einen Masterplan Grundschule verabredet. Im Juli 2018 versprach Gebauer im Landtag: "Diesen Plan werden wir jetzt zeitnah auch vorlegen." Ein Jahr später ist der Masterplan immer noch überfällig.

Dazu sagt Gebauer im Westpol-Interview: "Naja, zeitnah ist ja nun ein dehnbarer Begriff. Ich gucke, dass das Endprodukt von allen Beteiligten getragen wird, wir sind eigentlich schon in den letzten Zügen." Und nennt ein Datum, das undehnbar ist: Der Masterplan komme "noch in diesem Jahr, das ist das feste Ziel."

Das soll in den Masterplan

Der Masterplan soll wichtige Fragen klären: Wie sieht es mit der Inklusion aus? Sind kleinere Klassen möglich? Und wird es eine Vertretungsreserve für ausfallende Lehrkräfte geben?

Ebenfalls offen: Wie sieht es mit dem Englisch-Unterricht aus? Bleibt es bei dem Start in der zweiten Hälfte des ersten Schuljahres oder steigt man erst in der dritten Klasse ein? Eine Neuregelung hätte einen höheren Personalbedarf zur Folge.

Die Masterfrage über dem Masterplan

Egal, an welchem Punkt man ansetzt - Dreh- und Angelpunkt für eine bessere Ausstattung der Grundschulen ist die Personalfrage. Und über allem steht die immer noch ungeklärte Frage der gleichen Besoldung von Grundschul- und Gymnasiallehrern.

Es gibt also viel zu tun für Yvonne Gebauer. Sie sagt im Westpol-Interview: "Man sagt so schön, gut Ding will Weile haben", und betont, Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit. Aber die Grundschule in Münster-Nienberge braucht dringend Hilfe - jetzt.

Für mehr Schuldebatten ohne Hysterie

WDR RheinBlick 30.08.2019 27:22 Min. Verfügbar bis 30.08.2020 WDR Online

Download

Aufregung pur: Der erste Schultag Lokalzeit Ruhr 29.08.2019 02:36 Min. Verfügbar bis 29.08.2020 WDR Von Solveig Bader

Stand: 01.09.2019, 06:00