Parteitag der Grünen: Baerbock mahnt zu Demut

Parteitag der Grünen: Baerbock mahnt zu Demut

  • Parteitag der NRW-Grünen in Neuss
  • Parteichefin Baerbock tritt auf Euphoriebremse
  • Grüne wollen Personal für politische Mandate ausbilden

Die NRW-Grünen haben am Freitag (14.06.2019) einen zweitägigen Landesparteitag in Neuss eröffnet. Es ist die erste große Zusammenkunft nach dem Erfolg bei der Europawahl im Mai. Die Grünen hatten über 23 Prozent der Stimmen in NRW geholt. Zum Auftakt am Freitagabend (14.06.2019) sprach Bundesparteichefin Annalena Baerbock. Inhaltlich stehen Europa und die Klimakrise im Mittelpunkt des Parteitags.

Delegierte feiern Baerbock

14.06.2019, Neuss:Mona Neubaur (l), Landesvorsitzende in NRW, und Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende, unterhalten sich während des Landesparteitags von Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen.

Gleich zu Beginn des Parteitages begrüßten die Delegierten die Bundesvorsitzende Baerbock mit frenetischem Applaus. Baerbock freute sich über das gute Abschneiden der Grünen in NRW, mahnte die Delegierten nach dem jüngsten Wahlerfolg aber auch, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. "Natürlich können wir jetzt diskutieren, was ginge alles, und was könnte alles, und was wäre alles. Aber das ist genau die falsche Frage". Zuletzt hatte es Spekulationen um grüne Kanzlerkandidaten gegeben.

Delegierte rechnen mit weiteren Wahlerfolgen

Trotzdem, die Laune unter den Delegierten ist nach dem Wahlerfolg ausgesprochen gut. "Der Klimaschutz ist das zentrale Thema", sagt ein Delegierter aus Unna, "die Bürger wollen, dass wir Klimaschutzpolitik umsetzen." Anne-Monika Spallek aus Coesfeld glaubt, erfolgreiche Klimapolitik sei nur mit den Grünen möglich: "Ohne die Grünen gibt es immer nur ein weiter so, sei es in der Wirtschaft, sei es in der Verkehrsmobilität. Ohne die Grünen wird sich da nichts tun!"

Respekt vor politischer Verantwortung

14.06.2019, Neuss: Annalena Baerbock spricht auf dem Landesparteitag der Grünen.

Sie und viele andere Grüne hoffen, dass die Partei auch bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr ähnlich erfolgreich sein wird. Volkhard Wille aus Köln hält es für realistisch, dass die Partei schon bald in den Kommunen mitregieren wird: "Da kommt dann auch ganz schnell ein bisschen Respekt und Sorge, denn wir müssen eines Tages auch liefern, und das ist eine riesige Herausforderung, dass was jetzt inhaltlich auf der Tagesordnung steht, nachher in ganz konkrete Politik und Erfolge durchzusetzen."

Auf der Suche nach Personal

Sollten die Grünen bei den Kommunalwahlen tatsächlich wieder so erfolgreich sein, braucht die Partei außerdem Personal, das aktuell noch fehlt. Bei anhaltendem Erfolg müssten viele Mandate in den Stadt- und Landräten besetzt werden. In den Großstädten könnte es auch um das Amt des Oberbürgermeisters gehen.

Deshalb will die Partei potentielle Mandatsträger "ausbilden". Das sagte Felix Banaszak, Chef der NRW-Grünen, dem WDR. "Alle, die Interesse zeigen sich kommunal einzubringen, werden von den Kreis- und Ortsverbänden und auf Landesebene jetzt umfassend vorbereitet. Da gibt es Schulungsangebote, beispielsweise auch Rhetoriktrainings."

Viele Neumitglieder

Außerdem hofft die Partei durch ihre vielen Neumitglieder auf mögliches Personal. Seit der Europawahl Ende Mai konnte die Partei in Nordrhein-Westfalen bereits über 700 Eintritte verzeichnen. In den ersten fünf Monaten des Jahres waren es im Schnitt 250.

Stand: 14.06.2019, 20:12