NRW-Grüne stellen Rekord-Liste für Berlin auf

Felix Banaszak, Landesvorsitzender von Bündnis 90 Die Grünen in Nordrhein-Westfalen, steht vor einer digitalen Landesdelegiertenkonferenz in einem Set.

NRW-Grüne stellen Rekord-Liste für Berlin auf

Von Tobias Zacher

Die Chancen stehen gut für viele Grüne aus NRW: Am Wochenende verteilt der Landesverband die Listenplätze für die Bundestagswahl. Parteichef Banaszak nimmt Kurs auf Berlin.

Die NRW-Grünen haben zum Auftakt ihres Parteitags am Freitagabend die vordersten Plätze ihrer Liste für die anstehende Bundestagswahl vergeben. Auf die erste Position wählten die Delegierten mit knapp 97 Prozent erneut Britta Hasselmann, die parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion. Gleich hinter ihr wurde der Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, aufgestellt.

Landesvorsitzender Banaszak auf sicherem Platz

Einen sicheren sechsten Listenplatz sicherten die Delegierten ihrem aktuellen Landesvorsitzenden Felix Banaszak, mit knapp 78 Prozent Zustimmung. Er hatte bereits im August angekündigt, für den Bundestag zu kandidieren, und will zugleich seine Amtszeit als Co-Landeschef bis August 2022 ausfüllen. Die bundesweit bekannte Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor aus Duisburg wurde auf Platz 12 aufgestellt. Sie wird voraussichtlich zum ersten Mal ein Abgeordnetenmandat erringen.

Noch nie zuvor in der Geschichte ihrer Partei hatten so viele Grüne aus Nordrhein-Westfalen eine realistische Chance auf ein Ticket nach Berlin. Falls die Grünen ihre starken Umfragewerte (24 Prozent beim NRW-Trend des WDR Ende Januar) in ein ebensolches Wahlergebnis ummünzen, könnten mehr als 50 von ihnen Ende September als Abgeordnete in den Bundestag einziehen. Im Jahr 2017 erreichten nur die ersten zwölf Kandidaten der NRW-Liste ein solches Mandat. Drei Tage lang, bis Sonntagabend, vergibt die Partei insgesamt etwa 80 Listenplätze.

"Rennen um Platz eins"

"Alle Kandidierenden haben richtig Bock", hatte Co-Landesvorsitzende Mona Neubaur kurz vor Beginn der Landesdelegiertenkonferenz im WDR-Interview angekündigt. Ihr Partner an der Spitze der NRW-Partei, Felix Banaszak, hatte bereits im Januar das Ziel ausgegeben, mit den Grünen bundesweit stärkste Kraft zu werden. "Wir wollen das Rennen um Platz eins eröffnen", sagte er angesichts der Umfragen.

Mischung aus Online- und Präsenzveranstaltung

In der Frage der Kanzlerkandidatur hatte die Grüne Bundespartei angekündigt, am 19. April Klarheit zu schaffen. Zum Auftakt des NRW-Parteitags wurde am Freitagabend eine aufgezeichnete Rede von Robert Habeck gezeigt. Darin forderte der Bundesvorsitzende, künftig in allen Politikbereichen die Klimafreundlichkeit zur notwendigen Voraussetzung für Gesetzesvorhaben zu machen. Darüber hinaus warnte er die Delegierten, "moralische Arroganz" gegenüber politisch anders Eingestellten an den Tag zu legen. Die Co-Vorsitzende Annalena Baerbock hatte im August beim vorherigen NRW-Parteitag die Eröffnungsrede gehalten.

Hybrid-Veranstaltung teils in Präsenz, teils digital

Die Infektionslage hatte die Grünen veranlasst, die Abstimmung zumindest zum Teil ins Digitale zu verlagern: Die knapp 300 Delegierten sind größtenteils per Video zugeschaltet und stimmen auch online ab. In Düsseldorf treffen sich zeitgleich Parteispitze und Präsidium in der Eventlocation "Design Offices Düsseldorf Fürst & Friedrich". Alle, die sich um einen Listenplatz bewerben, können dort vor Ort ihre Bewerbungsrede halten - was in Düsseldorf passiert, wird zugleich live gestreamt.

Stand: 09.04.2021, 20:30

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