Grüne: NRW kann bis 2040 klimaneutral sein

Stand: 24.06.2021, 13:53 Uhr

Einer neuen Studie zufolge könnte NRW schon 2040, also fünf Jahre früher als bisher geplant, klimaneutral sein. Beauftragt wurde die Studie von den Grünen, die nun ein Sofortprogramm fordern.

Die Landtagsfraktion der NRW-Grünen hat am Donnerstag eine Machbarkeitsstudie zur Klimaneutralität in NRW vorgestellt. Ihr Titel "Wie kann Nordrhein-Westfalen auf den 1,5-Grad-Pfad kommen?" Demnach ist es möglich, dass bis 2040 das gesamte Bundesland klimaneutral wird. Voraussetzung sind massive Investitionen und Weichenstellungen wie zum Beispiel ein Kohleausstieg bis zum Jahr 2030.

Nach Ansicht des Studien-Autors Klaus-Martin Hentschel sind "die Industrie und die Hauswärme" entscheidend, "die brauchen am längsten." Am Ende, also 2040, werde es immer noch Rest-Emissionen geben, beispielsweise in der Zementwirtschaft und in der Landwirtschaft - und zwar im Umfang von vier bis fünf Prozent.

Das müsse kompensiert werden. Hentschel empfiehlt dafür eine Aufforstung in NRW. "Es ist wesentlich billiger den Wald aufzuforsten, als in technische Lösungen zu gehen", so der Autor.

Schäffer: Meilenstein und Ermutigung

27.10.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Verena

Verena Schäffer, Bündnis 90/Die Grünen

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Verena Schäffer, nannte die Studie "einen Meilenstein": "Die Studie ist sehr ermutigend und Ansporn, dass wir Klimaneutralität im Industrieland NRW erreichen können."

Eigentlich sei es Aufgabe der Landesregierung, eine derartige Studie erstellen zu lassen, sagte Schäffer. Um sicherzugehen, dass die über 400 Seiten starke Studie nicht untergeht, haben die Grünen darauf ein 10-Punkte-Sofortprogramm extrahiert.

Das Sofortprogramm

Zunächst brauche man ein Klimaschutzgesetz, das "jahresscharfe Sektorziele für die Energiewirtschaft, die Industrie, den Hauswärme-Bereich, den Verkehr und die Landwirtschaft" definiert und diese Ziele regelmäßig überprüft. Für die Erneuerbaren Energien fordern die Grünen "eine Ausbau-Offensive".

Kommunen und Industrie müssten unterstützt werden, zum Beispiel durch "Klima-Investitionspakete" für die Industrie. "Für den Umbau der Industrie sind insgesamt viele Milliarden Euro notwendig, die NRW alleine nicht aufbringen kann." Die Hauptverantwortung sehen die Grünen bei der Bundesregierung und der EU, sie sollten entsprechend ausgestattete Förderungen auf den Weg bringen. "Der Industriestandort NRW darf darauf aber nicht warten, sondern muss kurzfristig eigene Impulse aus Landesmitteln setzen."

Es brauche zudem mehr Tempo beim Heizungsaustausch und der Haussanierung. Die Studie hatte wegen des Sanierungsbedarfs einen großen Fachkräftemangel im Handwerk identifiziert, der behoben werden müsse. Mehrbelastungen für Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Mietende müsse der Staat kompensieren, um einen sozialen Ausgleich zu schaffen, fordert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Wibke Brems.

Im Verkehrssektor setzen die Grünen auf den Vorrang für Schiene und Rad sowie ein "ambitioniertes Fahrradgesetz" mit verbindlichen Zielen. Diese fehlen, so die Grünen, in dem von der Landesregierung eingebrachten Fahrrad-Gesetz.