Grüne wollen Corona-Frühwarnsystem durch Abwasser-Analysen

Das Belebungsbecken einer Kläranlage.

Grüne wollen Corona-Frühwarnsystem durch Abwasser-Analysen

Die Grünen fordern die Landesregierung auf, das Abwasser-Monitoring als Frühwarnsystem für die Corona-Pandemie zu forcieren. Es soll eine flächendeckende Analyse in NRW geben.

Die Idee ist bestechend: Über eine Analyse der Abwässer, die in den Kläranlagen auflaufen, könnte man noch vor den ersten Symptomen oder gar Tests von Infizierten nachweisen, dass es eine Häufung von Corona-Infektionen gibt. Dieses bereits im letzten Jahr erstmals vorgestellte Verfahren wird in diversen Versuchen europaweit getestet.

Frühwarnsystem ohne Beeinträchtigung der Bürger

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Verena Schäffer, sagte dem WDR: Wenn Bürgertests in den nächsten Wochen weniger wahrgenommen würden, weil die Testpflicht für Gastronomie und Einzelhandel wegfallen, dann "brauchen wir ein zusätzliches Instrument des Corona-Monitorings." Insbesondere mit Blick auf die Delta-Variante sei es wichtig, "ein Frühwarnsystem einzurichten, um die Verbreitung des Virus zu beobachten und frühzeitig reagieren zu können." In NRW seien Köln und Bonn besonders weit bei der Methode.

Das Abwasser-Monitoring werde bereits seit Mitte März 2021 von der EU als Frühwarnsystem empfohlen, sagte Schäffer. Alle Mitgliedsländer seien aufgefordert, bis spätestens Oktober ein flächendeckendes Netz aufzubauen. Mit der Wasser-Analyse sei ein Zeitgewinn von rund zehn Tagen verbunden, bis der Anstieg des Virus erkannt werde. "Der Vorteil ist auch, dass es den Alltag der Bürgerinnen und Bürger nicht beeinträchtigt."

Was wollen die Grünen?

Der Antrag der Grünen sieht vor, dass die Landesregierung das Abwasser-Monitoring flächendeckend einführt, die Gesundheitsämter anweist, dass entsprechende Analysen gemacht werden und dass "die Kommunen bei der Auswertung der Proben organisatorisch mit Sachmitteln, finanziell sowie personell" unterstützt werden.

Das ist quasi der bürokratische Verfahrensrahmen, der sichergestellt werden müsste. Aber neben diesen organisatorischen Fragen gibt es bei der Umsetzung noch weitere Hindernisse, darauf weist das Bundesforschungsministerium hin.

Die Herausforderungen des Frühwarnsystems

Insbesondere bei der Identifizierung von Virus-Varianten zeigen sich laut Forschungsministerium noch Probleme: So variiere die individuelle "Menge ausgeschiedener Viruspartikel pro Infiziertem" und es gebe verschiedene Entwässerungssystem (Misch- oder Trennkanalisation). Auch die Art der Probenahme sowie die Probenaufbereitung und Analytik müssten standardisiert werden.

Ein weiteres Problem beschrieb Achim Höcherl, Abwassertechniker der Stadt Bonn, im Gespräch mit dem WDR: "Wir wissen nie, in welcher Konzentration die Stoffe hier ankommen. Hat es viel geregnet, kommen sie verdünnt. Hat es wenig geregnet, bilden sich Ablagerungen in den Rohren."

So kommt in Summe das Bundesforschungsministerium zu dem Schluss: "Bezüglich dieser Faktoren sehen die Beteiligten der verschiedenen Projekte daher auch weiteren Forschungsbedarf."

Stand: 22.06.2021, 15:45