Porträt: Michael Groschek - der SPD-Strippenzieher

Pressekonferenz: Michael Groschek

Porträt: Michael Groschek - der SPD-Strippenzieher

Beim überraschenden Rückzug von Martin Schulz hat SPD-Landeschef Michael Groschek eine wichtige Rolle gespielt. Ein Porträt des Sozialdemokraten aus Oberhausen.

Michael Groschek ist der Anführer der Abteilung Attacke in der nordrhein-westfälischen SPD und kennt die Landespartei wie kaum ein Zweiter. Als Chef des mitgliederstärksten SPD-Landesverbands ist der 61-jährige ehemalige Marine-Soldat, der seit 44 Jahren in der SPD ist, ein einflussreicher Strippenzieher. Das hat er am Freitag (09.02.2018) aufs Neue bewiesen.

Alle sagen "Mike"

Michael Groschek (r)  und Martin Schulz lachen

Noch-Parteichef Schulz und der SPD-Landesvorsitzende Groschek (r.)

Der Oberhausener soll die treibende Kraft gewesen sein, Martin Schulz jetzt zum Verzicht auf ein Ministeramt zu bewegen. Wer ist der Mann, den die Genossen "Mike" nennen? Der kleine schnauzbärtige Mann, der gerne und häufig donnernd lacht, war lange Jahre Vertrauter von Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Nach ihrem Abgang im vergangenen Sommer infolge der verlorenen Landtagswahl wurde er zum Landesparteichef gewählt.

Groscheks Kehrtwenden

Fast gleichlautend mit Schulz verkündete der frühere NRW-SPD-Generalsekretär Groschek noch nach dem Aus der Jamaika-Sondierungen im November, dass er eine Große Koalition weiter ablehnt: "Unser Wählerauftrag heißt Opposition. Wir werden nicht den Hilfssheriff in einer neuen Großen Koalition geben. Wenn Jamaika scheitert und Merkel keine Regierung hinbekommt, muss der Wähler entscheiden." Das ist Vergangenheit.

Der erfahrene SPD-Politiker änderte in den letzten Monaten schrittweise seine Meinung. Erst brachte Groschek eine Minderheitsregierung ins Spiel, dann plädierte er für ergebnisoffene Gespräche mit der Union. Beim Bonner SPD-Bundesparteitag im Januar war es dann Groschek, der gemeinsam mit anderen NRW-Genossen einen Kompromissantrag erarbeitete. Dieser "Brückenschlag" (Groschek) sorgte überhaupt erst dafür, dass die SPD-Delegierten knapp für Koalitionsverhandlungen stimmten.

Im Grunde hat Groschek ähnliche Kehrtwenden vollzogen wie Martin Schulz. Aber der SPD-Landeschef kommuniziert offenbar besser, erklärt seine Meinungswechsel ausführlicher. Und Groschek will nichts mehr werden (sagt er jedenfalls). Der ehemalige Bau- und Verkehrsminister von NRW hat bereits mehrfach gesagt, dass er nur ein Übergangsvorsitzender ist.

Groschek: Das ist ein guter Koalitionsvertrag

WDR 2 | 07.02.2018 | 03:58 Min.

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Herausforderung Mitgliedervotum

Die vielleicht größte Hürde auf dem Weg zur GroKo steht dem Ex-Bundestagsabgeordneten noch bevor. Beim SPD-Mitgliederentscheid kommt es ganz entscheidend auf die 114.000 Genossen in NRW an - sie stellen ein Viertel aller Stimmberechtigten. Wie hartnäckig der Widerstand gegen eine GroKo in weiten Teilen der NRW-SPD ist, weiß Michael Groschek ganz genau. Denn sein eigener Sohn Jesco gehört zum NoGroKo-Lager.

Stand: 09.02.2018, 16:45