NRW will keine Grabsteine aus Kinderarbeit mehr

Montage:   Ein kleiner Junge sitzt mit einem Hammer auf Marmorsteinen für den europäischen Markt. Viele unterschiedliche Grabsteine sind bei einem Steinmetz aufgestellt

NRW will keine Grabsteine aus Kinderarbeit mehr

Von Christian Wolf

  • Neues System soll Grabsteine aus Kinderarbeit verhindern
  • Ab 2020 nur noch Steine mit Zertifikaten erlaubt
  • NRW-Politik ringt seit Jahren um Lösungen

Seit Jahren ringt die NRW-Politik um wirksame Regelungen gegen billige Grabsteine aus Kinderarbeit. Zum Jahreswechsel tritt nun ein neues System in Kraft, dass das Problem endlich lösen soll.

ARCHIV - 16.08.2007: Grabsteine aus Granit stehen bei einem Steinmetz in seiner Verkaufsausstellung.

Grabsteine aus bestimmten Ländern brauchen ab Januar ein Zertifikat

Dann gilt eine gesetzliche Zertifizierungspflicht für Grabsteine aus Naturstein. Das hat die Landesregierung in einem Runderlass geregelt, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag (17.10.2019) mitteilte. Demnach dürfen Grabsteine aus China, Indien, den Philippinen und Vietnam nur noch dann in NRW aufgestellt werden, wenn sie über ein entsprechendes Zertifikat verfügen.

Strafen von bis zu 3.000 Euro

Speziell von der Landesregierung anerkannte Stellen entscheiden darüber, ob Grabsteine mit "hinreichender Wahrscheinlichkeit ohne schlimmste Formen von Kinderarbeit" hergestellt worden sind, heißt es. Werden Grabsteine ohne Zertifikate aufgestellt, drohen Geldbußen von bis zu 3.000 Euro.

Eine Zertifizierungspflicht gegen Kinderarbeit ist eigentlich schon seit Jahren im Bestattungsgesetz enthalten. Grundlage war ein Gutachten der Hochschule Düsseldorf. Das belegte Kinderarbeit in Steinbrüchen in Indien, Vietnam und den Philippinen. Außerdem zeigte es auf, dass auch bei Steinen aus China nicht ausgeschlossen werden kann, dass Kinder an den Arbeiten beteiligt waren.

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KiRaKa 11.06.2019 01:08 Min. Verfügbar bis 10.06.2020 KiRaKa

Kritik an stockender Umsetzung

Der damalige Gutachter hielt schon 2018 die stockende Umsetzung für ein Ärgernis. "Es gab eine sehr aktive Lobbyarbeit gegen eine Einschränkung des Geschäfts", sagt der Politik- und Sozialwissenschaftler Walter Eberlei. So habe es zahlreiche Versuche von Naturstein-Importeuren gegeben, allzu strenge Regeln abzuwenden.

Ein großer Import-Export-Verband habe sogar ein eigenes Zertifikat ins Leben gerufen. "Die Kontrolleure haben ihre Besuche in den Steinbrüchen vorher angekündigt. Natürlich war dann kein Kind mehr da."

Mit dem neuen Erlass werde das Verfahren nun endgültig "scharf gestellt", unterstreicht Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). "Wir müssen aktiv gegen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Grabsteinen vorgehen."

Kinderarbeit in Indien 04:46 Min. Verfügbar bis 18.04.2021

Stand: 17.10.2019, 15:10