Ein Kohlekraftwerk und Windräder produzieren Strom. Rauchsäulen steigen auf.

Gigawattpakt: Braunkohleregion setzt auf Erneuerbare Energien

Stand: 21.03.2022, 17:11 Uhr

50 Kommunen und Landkreise aus dem Rheinischen Revier wollen zusammen mehr als doppelt so viel erneuerbare Energien herstellen. Deshalb haben sie sich im Gigawattpakt zusammengeschlossen. Diesen stellte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) heute vor.

Von Niklas Schenk

Von A wie Aachen bis Z wie Zülpich: 50 Kommunen aus dem Rheinischen Revier haben sich im Gigawattpakt zusammengeschlossen. Das Ziel ist ambitioniert. Eine Kapazität von 5 Gigawatt, also mehr als doppelt so viel wie aktuell, soll in der Region bis 2028 aus erneuerbaren Energien hergestellt werden - ausgerechnet im rheinischen Revier, einer Braunkohleregion.

"Auf der einen Seite ist das die klassische Region für Energie, da sind viele Netze und Unternehmen. Deshalb müssen auch dort die erneuerbaren Energien ausgebaut werden", sagte Pinkwart. "Auf der anderen Seite hat das Rheinische Revier natürlich eine große Fläche, damit NRW insgesamt seine Ziele erreichen kann."

NRW will seine Windenergie-Leistung bis 2030 verdoppeln

Bei der Windkraft steht NRW aktuell insgesamt bei gut 6 Gigawatt installierter Leistung. Um die 300 Megawatt kamen im vergangenen Jahr neu dazu. Das ist im deutschlandweiten Ländervergleich eine gute Bilanz - Kritiker betonen aber immer wieder, dass der Ausbau viel schneller werden müsste, um die Leistung bis 2030 tatsächlich auf 12 Gigawatt verdoppeln zu können.

Waldschäden

Kalamitätsflächen für Windkraft nutzen

"Wir müssen uns etwas einfallen lassen", gab Wirtschaftsminister Pinkwart zu. Wie der neue Kommunenpakt tatsächlich zusammenarbeiten soll, blieb noch vage. Klar ist: Der Minister will den Landesentwicklungsplan ändern. "Wir wollen bei den Kalamitätsflächen mehr Raum schaffen für Windkraftnutzung, zeitlich befristet für drei Jahrzehnte, damit Wind geerntet werden, aber der Mischwald nachwachsen kann", sagte Pinkwart. Durch Käfer oder Unwetter zerstörte Wälder sollen also -zumindest temporär- genutzt werden.

Mehrfachnutzung von landwirtschaftlichen Flächen als Lösung?Und auch bei der Photovoltaik will Pinkwart einiges tun. Hier sollen mehr Flächen genutzt werden, teilweise auch mehrfach. Landwirtschaftliche Flächen etwa könnten mit Photovoltaik-Anlagen überbaut werden.

Harsche Kritik vom LEE und den Grünen

Kritiker werfen der Landesregierung vor, seit Jahren zu wenig für den Ökostrom-Ausbau zu tun. Der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE) hat den Gigawattpakt erst gar nicht unterschrieben. "Das Vorhaben ist richtig. Zu einem Pakt gehört aber auch dazu, dass Partner sich nicht nur glaubhaft anstrengen, um die Ziele zu erreichen, sondern auch Maßnahmen vereinbaren, um genau diese Ziele zu erreichen", schreibt der Verband in einer Stellungnahme.

Die Landesregierung habe seit 2017 den Ausbau der Windenergie in NRW "deutlich behindert", etwa durch die 1000 Meter-Abstandsregel zwischen Windenergieanlagen und Wohnhäusern. „Jetzt soll wenige Wochen vor der Landtagswahl ein Pakt geschlossen werden, bei dem die Landesregierung abermals Erleichterungen lediglich vage ankündigt, die wir seit Jahren einfordern.“

Wibke Brems, Sprecherin für Energie und Klimaschutz der Grünen-Landtagsfraktion in NRW, übt ebenfalls deutliche Kritik. "Es ist nur noch zum Kopfschütteln: Minister Pinkwart feiert sich heute tatsächlich dafür, dass dreieinhalb Jahre nach der ersten Ankündigung der Gigawattpakt unterzeichnet wurde", sagte Brems. "Ich kann nur hoffen, dass dieses Schneckentempo nicht sinnbildlich für die Umsetzung ist."

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