Gewalt gegen Frauen: Landtag will den Opfern helfen

Aktuelle Stunde zu Gewalt gegen Frauen WDR aktuell 30.11.2018 01:38 Min. Verfügbar bis 30.11.2019 WDR

Gewalt gegen Frauen: Landtag will den Opfern helfen

Von Rainer Kellers

  • Landtag debattiert über Gewalt gegen Frauen
  • Alle Fraktionen sehen Handlungsbedarf
  • SPD fordert deutlich mehr Plätze in Frauenhäusern

Rein rechnerisch stirbt in NRW jede Woche eine Frau durch häusliche Gewalt. Im vergangenen Jahr wurden 56 Frauen - und 16 Männer - von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. Insgesamt wird jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer einer Gewalttat.

Es sind erschreckende Zahlen, die das Landeskriminalamt vergangenen Sonntag (25.11.2018) - am Tag gegen Gewalt an Frauen - veröffentlicht hat. Für den Landtag sind sie am Freitag (30.11.2018) Anlass, das Thema ganz am Anfang der Plenarsitzung ausführlich zu debattieren.

Frauen sind nicht selbst an Gewalt schuld

In der Sache sind sich alle fünf Fraktionen einig: Es müsse mehr getan werden gegen die Gewalt gegen Frauen. Es gebe nichts, das Gewalt rechtfertige und keine Frau müsse glauben, an einem gewalttätigen Übergriff selbst Schuld zu sein.

Weniger Einigkeit herrscht dagegen bei der Frage, was genau getan werden muss. Heike Troles von der CDU möchte den Opfern helfen. Gleichzeitig müsse aber geltendes Recht strenger angewendet werden, um die Täter zu bestrafen. Gewalttätige Ehepartner sollten dauerhaft der Wohnung verwiesen werden.

SPD will 1.200 neue Plätze in Frauenhäusern

Die SPD schlägt vor, die Zahl der Plätze in Frauenhäusern deutlich zu erhöhen. In NRW gibt es bislang 571 Plätze - viel zu wenige. Im vergangenen Jahr wurden landesweit in 7.300 Fällen Frauen abgewiesen, die Schutz suchten.

Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU) hat zwar angekündigt, im nächsten Jahr mindestens 50 neue Plätze zu schaffen. Das reiche aber nicht, meint Anja Butschkau von der SPD. Ihre Fraktion fordert die Landesregierung auf, weitere 8,5 Millionen Euro für die Frauenhäuser zur Verfügung zu stellen. Es fehlten 1.200 Plätze.

Ministerin Scharrenbach hält die 50 neuen Plätze hingegen für einen guten Anfang. Außerdem seien gleich mehrere Gesetze auf den Weg gebracht worden, um die Lage der Frauen zu verbessern. Ein Beispiel sei das geplante neue Polizeigesetz. Es erlaubt der Polizei, gewalttätige Ehemänner bis zu zehn Tage in Gewahrsam zu nehmen.

Das Dunkelfeld ist gewaltig

Das LKA soll zudem mit einer Studie das Dunkelfeld erhellen - also herausfinden, wie viele Frauen wirklich Opfer von Gewalt werden. Denn Experten gehen davon aus, dass 80 bis 90 Prozent der Gewalttaten gar nicht angezeigt werden.

Gewalt gegen Frauen Aktuelle Stunde 25.11.2018 02:29 Min. Verfügbar bis 25.11.2019 WDR Von Dorothea Schluttig

Stand: 30.11.2018, 13:24