Digitalisierung der Gesundheitsämter in NRW läuft nur schleppend

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Digitalisierung der Gesundheitsämter in NRW läuft nur schleppend

Von Sebastian Auer

Seit Februar sollten sich Gesundheitsämter per Software vernetzen. Doch Recherchen des Magazins Westpol zeigen, nur ein Bruchteil der Ämter tut das. Schnelle Kontaktnachverfolgung von Coronainfizierten bleibt auf der Strecke.

Es surrt, brummt und piepst in NRWs Gesundheitsämtern. Das sind die Faxgeräte, die während der Coronapandemie im Dauereinsatz sind. Denn um Coronainfektionen einzudämmen, müssen Kontaktpersonen von Infizierten schnell informiert werden. Wohnen die aber in einer anderen Stadt, übermitteln die Ämter per Fax, Telefon und Mail die Daten.

Nur neun von 53 Gesundheitsämtern sind vernetzt

Faxgeräte sollten seit Februar eigentlich Geschichte sein - Sormas und SormasX heißen die Zauberwörter. Eine Software, mit der alle 53 Gesundheitsämter in NRW vernetzt wären und sich mit wenigen Klicks austauschen könnten. Recherchen des WDR-Magazins Westpol haben ergeben: Seit Monaten tut sich da kaum etwas - nur neun Ämter sind inzwischen vernetzt.

Schon im Frühjahr hatte Westpol über die Mängel bei der Digitalisierung berichet. Damals argumentierte beispielsweise das Essener Gesundheitsamt, mitten in der dritten Welle könne man keine Softwareumstellung vornehmen. Es gebe zu viel zu tun. Die Infektionszahlen sind heute deutlich niedriger, doch trotzdem gehen viele Gesundheitsämter ihre digitalen Probleme nicht an. Bei der Stadt Essen möchte sich zum Thema Sormas mittleweile keiner mehr im Interview äußern.

Keine Softwareumstellung, weil Mitarbeiter jetzt urlaubsreif

Nebenan in Mülheim sagt der Leiter des Krisenstabes Frank Steinfort, der Stress im Gesundheitsamt habe zwar nachgelassen, aber die Mitarbeiter*innen seien jetzt urlaubsreif. Im Herbst sei wahrscheinlich aber auch keine Zeit, da die Infektionszahlen dann wieder steigen könnten.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ärgert das. Er glaubt aber, dass sich schnell rumspreche, dass Sormas eine gute Software sei und sich im Sommer in Sachen Digitalisierung viel tun werde. Außerdem will das NRW-Gesundheitsministerium unterstützen und IT-Experten in die Kommunen schicken. Sie sollen bei der Softwareumstellung helfen.

Mülheims Krisenstabsleiter Frank Steinfort ist trotzdem skeptisch: Die Software sei teilweise umständlich. Er könne sich vorstellen, Sormas vielleicht im kommenden Jahr in seiner Stadt einzusetzen.

Stand: 20.06.2021, 11:00

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