Kommentar: Gegen-Wind - Pinkwarts Energiepolitik

Windenergieanlagen bei Sonnenuntergang

Kommentar: Gegen-Wind - Pinkwarts Energiepolitik

Von Jürgen Döschner

Die Gesamtmenge an Windkraft soll verdoppelt werden, hat NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart im WDR gesagt. Davon rückt der FDP-Politiker nun plötzlich wieder ab.

Vielleicht sollte man vor dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf ein Windrad aufbauen. Es würde sicher viel Strom liefern, bei so viel heißer Luft, die Minister Pinkwart in diesen Tagen erzeugt.

Theoretisch für Windkraft - praktisch dagegen

Jürgen Döschner

Energieexperte Jürgen Döschner

Mit seiner Äußerung, er wolle die Windkraft-Kapazitäten in NRW innerhalb von fünf Jahren verdoppeln, hat er großen Wirbel ausgelöst. War man von dem FDP-Politiker doch bislang eher kritische Töne zu allen Energieformen gewöhnt, die der Braunkohle Konkurrenz machen könnten - vornweg zur Windkraft. Pinkwart und Ministerpräsident Laschet haben seit Beginn ihrer Regierungszeit alles getan, um den Bau neuer Windräder zu verhindern. Keine Windräder im Wald, keine Ausweisung von Vorrangflächen, Mindestabstand von 1.500 Metern zur nächsten Wohnbebauung.

Wie soll es mit solchen Regeln möglich sein, die Windkraft-Kapazität innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln? – Gar nicht, sagt Pinkwart einen Tag später. Es sei ihm ja nur um das "theoretische Potenzial" gegangen. Anders ausgedrückt: Andreas Pinkwart ist vielleicht theoretisch für die Windkraft und ihren Ausbau – aber praktisch dagegen.

Unverantwortliches Verhalten des Ministers

Man sollte Andreas Pinkwart daran erinnern, dass er nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Klimaschutzminister ist. In Zeiten immer neuer Hiobsbotschaften über Tempo und Ausmaß der Klimakrise, in Zeiten von Klimaschutzabkommen, Kohlekompromiss und "Fridays For Future", ist das Verhalten von Klimaschutzminister Pinkwart unverantwortlich. Es ist unverantwortlich, wohlfeile Worte über die Energiewende und den Ausbau von Wind- und Solarstrom in die Kamera zu sagen, und gleichzeitig politische Maßnahmen zu beschließen, die diesen Ausbau verhindern.

NRW soll mehr Windkraft bekommen - nur wie?

WDR 5 Mittagsecho 25.03.2019 04:55 Min. Verfügbar bis 24.03.2020 WDR 5

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Unverantwortlich nicht nur gegenüber dem Klimaschutz, sondern auch gegenüber den Menschen und den zahlreichen Betrieben in NRW, deren Energieversorgung dem Wirtschaftsminister doch angeblich so am Herzen liegt. Der Kohleausstieg ist beschlossen, er wird kommen, früher oder später. Und für den Strom aus den Kohlekraftwerken, die nach und nach vom Netz gehen, brauchen wir Ersatz. Wir brauchen sogar noch mehr Strom – zum Beispiel für Elektroautos. Wer heute den Ausbau der Erneuerbaren behindert, gefährdet die Energieversorgung der Zukunft.

Amt als Klimaschutzminister ernst nehmen

Die Herausforderungen, vor denen wir angesichts der Klimakrise stehen, vertragen weder parteipolitisches Taktieren noch Verzögerungen oder rhetorischen Mätzchen. Herr Pinkwart, nehmen Sie Ihr Amt als Klimaschutzminister ernst – oder ziehen Sie persönliche Konsequenzen. Wie sagte doch gleich Ihr Parteifreund Christian Lindner: "Klimaschutz ist was für Profis."

Stand: 26.03.2019, 16:34