Nach Kobra-Alarm: Wie kauft man eine Giftschlange?

Gefahr durch Giftschlangen Westpol 08.09.2019 UT DGS Verfügbar bis 08.09.2020 WDR

Nach Kobra-Alarm: Wie kauft man eine Giftschlange?

Von Sebastian Galle und Raphael Markert

Die Kobra, die in einem Herner Wohnhaus auf Entdeckungstour ausbüxte, wurde erst nach Tagen gefangen. In NRW ist es bisher viel zu leicht, gefährliche Schlangen zu kaufen.

Es ist in NRW nicht erlaubt, einen Igel zu halten. Aber bei Giftschlangen gibt es bisher keine Einschränkung. Im Internet werden zahlreiche gefährliche und giftige Tiere angeboten.

Herne und die Folgen

Entwischte Kobra wird in Kiste weggetragen

Die entwischte Kobra von Herne wird in einer Kiste weggetragen

NRW gilt als Eldorado für Gifttier-Liebhaber. Denn hier gibt es keine Verbote, keine Regeln. Im August entwich in Herne eine extrem giftige Kobra aus einer Wohnung. Tagelang wurde die Schlange gesucht. Vier Wohnhäuser mussten evakuiert werden - bis es Entwarnung gab.

Schlangenexperte Roland Byner aus Bochum konnte die Schlange einfangen. Er wirft dem Halter vor, dass die Kobra und die anderen Tiere nicht sachgerecht gehalten wurden. Er sehe es sehr kritisch, hochgiftige Schlangen in großer Anzahl zu halten. Der mutmaßliche Halter, ein junger Mann, hatte in seiner Wohnung mehr als 20 Schlangen.

Nach dem Fall in Herne ist in NRW eine Diskussion über den Umgang mit gefährlichen und giftigen Tieren entbrannt. Der Tierschutzbund fordert seit Jahren ein Verbot und rät dringend dazu, eine Gefahrtierverordnung in NRW einzuführen.

In anderen Bundesländern strikte Regeln

Als Vorbild für den Umgang mit gefährlichen Tieren gelten andere Bundesländer. In Hessen und Berlin sind sie verboten. Zahlreiche Bundesländer haben Genehmigungspflichten geregelt.

Westpol am 8. September

Und in NRW? Die Landesregierung hat keinen Überblick, wie viele giftige Tiere gehalten werden. Seit 2014 gibt es Überlegungen für eine Gefahrtierverordnung. Doch weder die alte rot-grüne noch die seit 2017 amtierende schwarz-gelbe Landesregierung haben gehandelt. Das mittlerweile CDU-geführte Umweltministerium erklärte jetzt, der damalige Entwurf sei zu bürokratisch angelegt gewesen.

Nach dem jüngsten Vorfall in Herne spricht sich NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) zwar für ein Verbot aus, muss aber davon auch noch Innenminister Herbert Reul (CDU) überzeugen.

Gefahrtier-Gesetz für NRW geplant

Das NRW-Umweltministerium plant jetzt ein Gefahrtier-Gesetz. Zurzeit werde geprüft, welche Tiere so gefährlich seien, dass von ihnen unmittelbare Lebensgefahr oder erhebliche Gefahr für Menschen ausgehe, so das Ministerium.

Forderung nach "Sachkundenachweis"

Ursula Heinen-Esser (CDU), NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz informiert an einem Stand über die Aktion: «Sonne im Tank».

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU)

Heinen-Esser: "Sie müssen mit den Kreisbehörden sprechen, dass die es sind, die das tatsächlich kontrollieren. Die Kreise und Städte sagen uns, dass das ein enormer Aufwand ist im Vergleich zur Zahl der Fälle." Jetzt führe man Gespräche über "eine vernünftigen Lösung".

Schlangenfänger Roland Byner aus Bochum plädiert für eine Meldepflicht oder ein "Sachkundenachweis" für die Haltung von gefährlichen Tieren. Schlangenkäufer sollten registriert und regelmäßig kontrolliert werden.

Kobra in Herne

KiRaKa Thema des Tages 26.08.2019 03:09 Min. Verfügbar bis 25.08.2020 KiRaKa Von Sebastian Trepper

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Stand: 08.09.2019, 09:47