Junge mit Smartphone, auf dem Chat zu sehen ist.

Cybergrooming: Wie Opfer sich besser gegen Pädophile wehren können

Stand: 10.02.2022, 17:22 Uhr

Cybergrooming ist sexualisierter Missbrauch von Kindern, der im Internet beginnt und oft in der realen Welt endet. Für Opfer gibt es jetzt eine neue Meldestelle im Netz.

Von Benjamin Sartory

Tina Langer ist Spezialistin für Cybergrooming. Als Staatsanwältin bei der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC NRW) in Köln ermittelt sie gegen diese perfide Form sexualisierter Gewalt im Netz. Dabei erschleichen sich Täter im Internet das Vertrauen von Kindern.

Das Problem sei allerdings, dass Betroffene viel zu selten Anzeige erstatten, sagte Staatsanwältin Langer am Mittwoch während eines Livestreams für Schulen. Eingeladen hatte die Landesanstalt für Medien NRW. Mit dabei auch Schulministerin Gebauer (FDP).

Cybergrooming auch bei Online-Spielen

Das Dunkelfeld aufhellen soll jetzt eine neue Meldefunktion. Der einfach gehaltene Button findet sich auf der Internetseite für Kinder www.fragzebra.de. Eltern oder Lehrer können dort, wenn sie einen Verdacht haben, ein Formular ausfüllen. Die Landesanstalt für Medien übernimmt dann eine Vorprüfung. Danach geht der Vorgang zur ZAC NRW, also auch an Staatsanwältin Langer.

Sie berichtet, dass der erste Kontakt beim Cybergrooming nicht nur in klassischen Chats, Foren oder Social Media-Kanälen stattfindet. Zunehmend würden Kinder auch bei Online-Computerspielen angesprochen.

Cybergrooming melden auf fragzebra.de (Button oben rechts)

Warnsignale sind laut Landesanstalt für Medien zum Beispiel, wenn der Unbekannte dem Kind Geschenke oder Geld verspricht, Komplimente macht oder in einen privaten Chatraum wechseln will. Ziel der Täter ist es oft, sich dann in der realen Welt mit dem Opfer zu treffen, um es zu missbrauchen. In anderen Fällen werden die Kinder auch überredet, freizügige Fotos von sich zu schicken.

Viele Pädophile in Internetforen

Die Dimension des Cybergroomings zeigt eine repräsentative Umfrage der Landesanstalt für Medien. Demnach haben es knapp ein Viertel der befragten Kinder und Jugendlichen schon erlebt, dass erwachsene Online-Kontakte sich real mit ihnen verabreden wollen. Jeder siebte Befragte wurde bereits aufgefordert, sich für einen Erwachsenen vor einer Web- oder Handykamera auszuziehen. Signifikante Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gab es bei der Befragung übrigens nicht – beide haben solche Übergriffe ähnlich oft erlebt.

Das deckt sich mit Erfahrungen von Ermittlern. In manchen von Minderjährigen genutzten Internetforen würden sich mehr Pädophile als Kinder aufhalten.

Schon der Versuch ist strafbar

Cybergrooming ist eine Straftat, seit einiger Zeit ist in Deutschland schon der Versuch strafbar. Aus Sicht der Landesanstalt für Medien ist das aber noch nicht bei allen angekommen. Die neue Meldefunktion auf www.fragzebra.de soll es Betroffenen jetzt so einfach wie möglich machen, sich zu wehren. Außerdem gibt es auf der Seite der Medienanstalt jede Menge Infomaterial für Schüler, Schulen und Eltern.

Maßnahmen gegen Cybergrooming

WDR 5 Westblick - aktuell 10.02.2022 05:31 Min. Verfügbar bis 10.02.2023 WDR 5


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