Fridays for Future: "Ich lerne viel über Demokratie"

"Fridays for Future"-Demonstration in Düsseldorf (08.02.2019)

Fridays for Future: "Ich lerne viel über Demokratie"

  • Weltweiter Schulprotest-Tag am Freitag (15.03.2019)
  • Merle Tennie (17 Jahre) organisiert den Streik mit
  • Im Interview erzählt sie von den Lernerfolgen durch den Protest

Am Freitag (15.03.2019) wollen Schüler weltweit für den Klimaschutz streiken. Die 17-jährige Merle Tennie aus Viersen ist eine Mitorganisatorin des Protests in NRW.

WDR: Erwarten Sie am Freitag noch mehr Zulauf?

Merle Tennie, Klimaktivistin

Merle Tennie

Merle Tennie: Ich denke schon, dass viel mehr Menschen kommen, wenn man weiß, dass man nicht nur in Düsseldorf, NRW oder Deutschland mit anderen Schülern streikt, sondern auf der ganzen Welt: In Australien, in Japan, sogar in Afrika, in Amerika gehen die Schüler auf die Straße.

WDR: Man hört auch von Linksextremisten, die die Proteste unterlaufen.

Tennie: Natürlich sind aus allen Schichten und aus allen politischen Richtungen Leute mit dabei. Bei uns in Düsseldorf ist es kein großes Problem. Wir verbieten große Parteibanner oder das Verteilen von Flyern von irgendwelchen Organisationen. Gerade weil wir uns nicht instrumentalisieren lassen wollen.

WDR: Neben der Zustimmung gibt es auch Hasskommentare im Netz. Wie erleben Sie das?

Tennie: Ich habe zum Glück noch nicht viel in der Richtung erlebt. Aber unter unseren Videos von den Demos stehen immer wieder negative Kommentare. Hauptsächlich von Erwachsenen, die nicht verstehen, dass uns der Klimaschutz so viel wert ist. Deshalb nehme ich die Kommentare auch nicht so ernst.

Warum die „Fridays for Future“-Demo so wichtig ist

COSMO | 10.03.2019

WDR: Wie gehen Sie mit dem Stoff um, den Sie am Freitag in der Schule verpassen? Wird das kollektiv nachgearbeitet?

Tennie: Wir haben eine Art Nacharbeits-Börse. Da bieten wir Uni-Studenten an, die den Unterricht nachreichen und uns den Stoff erklären können. Ansonsten setzt man sich halt nach der Demo zuhause hin und büffelt. Denn den Unterricht müssen wir natürlich nachholen.

WDR: Sie organisieren und koordinieren den Protest einer weltweiten Bewegung – was lernen Sie konkret dabei?

Tennie: Ich lerne da total viel! Zum Beispiel, wie man mit der Presse spricht, wie man öffentlich auftritt, was man da alles beachten muss. Ich rede ganz viel Englisch in letzter Zeit und es fördert unser Demokratieverständnis. Wir lernen viel über das Demonstrationsrecht und die Rechte, die wir als Schüler haben.

WDR: Was müsste passieren, damit Sie am Freitag wieder in die Schule gehen statt auf die Straße?

Tennie: Ich persönlich würde wieder in die Schule gehen, wenn die Politiker anfangen zu handeln und nicht nur reden. Wenn sie sich zusammensetzen und konkrete Maßnahmen beschließen, um die Klimaziele einzuhalten.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Stand: 14.03.2019, 10:00