Fridays for Future: "Bis die Politik reagiert, wird gestreikt"

Fridays For Future: Grundsatzforderung Aktuelle Stunde 08.04.2019 02:58 Min. UT Verfügbar bis 08.04.2020 WDR Von Carolyn Wißing

Fridays for Future: "Bis die Politik reagiert, wird gestreikt"

  • Klimaaktivisten fordern schnelles Kohle-Aus
  • Umsetzung ist Sache der Politik
  • Interview mit Schülerin Merle Tennie

Am Montag (08.04.2019) hat die Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) in Berlin ihre politischen Forderungen präsentiert: Ein Viertel der deutschen Kohlekraftwerke sollen demnach noch 2019 abgeschaltet werden, der endgültige Kohleausstieg bis 2030 realisiert sein. Die 17-jährige Merle Tennie aus Viersen ist eine der Organisatorinnen der FFF-Demos Düsseldorf. Wir haben mit ihr gesprochen.

WDR: Frau Tennie, die Fridays-for-Future-Bewegung hat erstmals konkrete Forderungen vorgelegt. Vorsichtig gesagt, die Ziele sind extrem ambitioniert.

Merle Tennie: Ich denke auch, dass sie ambitioniert sind. Aber ich sehe auch die Notwendigkeit, dass sie erfüllt werden. Denn der Klimawandel macht keine Kompromisse, der ist Fakt. Wir müssen uns den Realitäten stellen - und nicht andersrum.

WDR: Wie die Ziele umgesetzt werden können, darüber schweigt die Bewegung. Machen Sie es sich nicht etwas zu einfach?

Merle Tennie, Klimaaktivistin

Merle Tennie, Schülerin

Tennie: Ich denke nicht, dass wir es uns zu einfach machen. Wir machen es uns sogar relativ schwer, indem wir überhaupt so detaillierte Forderungen aufstellen. Wir sind zum größten Teil Schüler, keine Wissenschaftler. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, der Politik zu sagen, wie genau sie ihre Klimaziele erreichen soll.

WDR: Spielen wirtschaftliche oder technische Überlegungen in ihrer Bewegung überhaupt keine Rolle?

Tennie: Doch. Wir fordern ausdrücklich eine sozialverträgliche Umsetzung der Klimaziele. Und natürlich muss die Politik Wege finden, die der Wirtschaft nicht übermäßig schaden.

WDR: Sozialverträglich? Was sagen Sie Menschen in NRW, die bei einem vorzeitigen Kohleausstieg um ihre Existenz fürchten?

Tennie: So schlimm das vielleicht klingt: Es geht hier um das große Ganze. Wenn wir nicht aus der Kohle aussteigen, werden die Kinder dieser Arbeiter wohl keine Zukunft mehr haben - zumindest keine lebenswerte.

WDR: Sehen Sie denn auch positive Entwicklungen in ihrem Umfeld und ihrem Bundesland?

Tennie: Es gibt viel mehr Menschen, die anders leben. Indem sie bewusst auf bestimmte Dinge verzichten - zum Beispiel aufs Auto. In der Landespolitik hat sich dieses Bewusstsein noch nicht durchgesetzt.

WDR: Haben die Fridays-for-Future-Demos ihren Zweck erfüllt? Oder soll das noch Jahre so weitergehen?

Tennie: Der Zweck unserer Demos ist es, die Politik zum Handeln zu zwingen. Das haben wir noch nicht erreicht. Bis die Politik reagiert, wird weiter gestreikt.

Das Interview führte Andreas Poulakos.

Wie geht eigentlich "Demo"?: Porträt einer Aktivistin Lokalzeit Münsterland 28.02.2019 03:14 Min. Verfügbar bis 28.02.2020 WDR Von Antje Kley

Stand: 08.04.2019, 17:00