Türkisch statt Englisch für Grundschüler?

Türkisch statt Englisch für Grundschüler?

Von Sabine Tenta

  • Kontroverse um Fremdsprachen-Unterricht
  • Landesintegrationsrat will andere Fremdsprachen
  • GEWNRW: Englisch hat sich bewährt
Kommentare (15)

Der Landesintegrationsrat NRW nutzt die Debatte um den Englisch-Unterricht an Grundschulen für einen Vorstoß: Sein Vorsitzender Tayfun Keltek forderte im Kölner Stadtanzeiger (Ausgabe vom 08.02.2019), den Englisch-Unterricht an den Grundschulen ganz abzuschaffen. Stattdessen sollten andere Fremdsprachen vermittelt werden.

Es gebe viele Kinder mit Migrationshintergrund, die Türkisch, Polnisch oder Russisch sprechen. "Für die deutschen Kinder wäre es einfacher, sie würden diese Sprachen erlernen", so Keltek, da sie dann von den Muttersprachlern in der Klasse profitieren können.

Englisch ab der dritten Klasse?

Der Vorstoß kommt nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt. Das NRW-Schulministerium arbeitet an einer Neuregelung des Fremdsprachen-Unterrichts. Definitiv entschieden ist noch nichts. Denkbar ist, dass Englisch künftig erst ab der dritten Klasse unterrichtet wird.

Absage vom Ministerium

Der Vorschlag des Landesintegrationsrats hat eine Diskussion ausgelöst. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat ihn klar zurückgewiesen: "Es bleibt dabei, dass an Grundschulen und allen weiterführenden Schulen verpflichtend Englisch unterrichtet wird." Den Vorstoß von Keltek nannte Gebauer einen Schuss "über das Ziel hinaus".

Es gebe bereits ein breites Unterrichtsangebot in verschiedenen Herkunftssprachen wie Türkisch oder Polnisch. Der klassische Fremdsprachenunterricht werde aber nicht verändert. "Englisch ist und bleibt die zentrale Fremdsprache, die eine weltweite Kommunikation ermöglicht."

GEW NRW kritisiert Vorstoß

Die Vorsitzende des GEW-Landesverbands NRW Dorothea Schäfer sagte dem WDR, der Vorschlag von Tayfun Keltek "spielt den falschen Leuten in die Hände." Nämlich denen, die eine solche Debatte nutzen, um diffuse Ängste - etwa vor einer "Islamisierung" - zu schüren.

Auch die AfD im NRW-Landtag will den Englisch-Unterricht an Grundschulen abschaffen - zugunsten von mehr Deutsch und Mathe. Die AfD hatte 2018 einen entsprechenden Antrag eingebracht. Daraufhin gab es eine Anhörung mit Experten im Schulausschuss. Auch die GEW war eingeladen. "Alle plädierten damals dafür, den Englisch-Unterricht beizubehalten", so Schäfer.

Vom Englisch-Unterricht profitieren alle Kinder

Für Dorothea Schäfer hat sich der Englisch-Unterricht in der Grundschule bewährt: "Die Kinder lernen mit Freude eine Fremdsprache." Insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund würden sich freuen, gemeinsam mit deutschen Muttersprachlern eine komplett neue Sprache zu erlernen: "Sie profitieren davon."

Stand: 08.02.2019, 17:58

Kommentare zum Thema

15 Kommentare

  • 15 Englishlover 08.02.2019, 21:47 Uhr

    Tayfun Keltek: Note 6. Versetzung gefährdet, Schul-(Landesverweis) droht. Absurd so etwas zu fordern.

  • 14 Michael 08.02.2019, 21:46 Uhr

    Englisch ist die Sprache der Wissenschaft ! Drei Gebote /Verbote dazu: Ein Wissenschaftler sagt nicht „Ich“. Ein Wissenschaftler erzählt nicht. Ein Wissenschaftler benutzt keine Metaphern. Deutschland ist das Land der Dichter und Denker gewesen. Von daher postuliere ich "Back to the roots".

  • 13 Anonym 08.02.2019, 21:29 Uhr

    Vor etlichen Jahren hatte ich mit Leuten zu schaffen, welche "Überfremdung" prophezeiten. Auch war die Rede davon, dass sich "die Einheimischen bald den hinzugezogenen anzupassen haben" (und das ist die "diplomatische" bzw. entschärfte Version). Es war sehr schwer sich diesem Einfluss und seinen Nachwirkungen zu entziehen und sich eine eigene Meinung zu bilden... Und jetzt lese ich hier etwas, dass auf genau das hinausläuft, was die Leute von damals behauptet haben? Das darf doch nicht wahr sein! Lieber Integrationsrat NRW, wollt ihr den Hass auf andere Ethnien schüren, oder wie darf ich bitte euren Vorstoß werten? Ich nehme an, dass ihr garnicht so weit gedacht habt und vom Entgegenkommen teilweise eher verwöhnt seid. So dass ihr garnicht merkt, wenn eine Forderung unverschämt ist!

  • 12 Boeser Bulle 08.02.2019, 21:24 Uhr

    Nix Türkisch, nix Englisch, nix Integration, Asi-Milatation ist angesagt. Unser Land, unsere Leitkultur, unsere Sprache......Unsere Regeln. Kompromisse sind rotrotgruene Schlamperei...... Aufräumen!

  • 11 JR 08.02.2019, 21:09 Uhr

    Deutschland schafft sich ab! Mehr bleibt nicht zu sagen. Gut dass wir eine CDU-FDP Regierung haben. Rot-Grün hätten das wahrscheinlich noch toll gefunden.

  • 10 Barbara 08.02.2019, 20:27 Uhr

    Ich bin dafür, dass die Grundschulkinder schon vom 1. Schuljahr mit Englisch konfrontiert werden. Meine Enkeltochter hat sehr viel Freude daran. Im übrigen kommt meine Enkeltochter aus einer Familie mit Integrationshintergrund. Der Herr vom Landesintegrationsrat NRW Tayfun Keltek schießt wirklich übers Ziel hinaus. Wer sich hier wohl wem anpassen muss!!!!! Englisch ist nun einmal die Wirtschaftssprachte!

  • 9 Englischgegner 08.02.2019, 20:17 Uhr

    Russisch, Polnisch,....in der Grundschule heißt Desintegration und Verhärtung bereits existierender Fehlentwicklungen. Englisch ist mit Sicherheit notwenig, aber besonders in NRW mit einem hohen Anteil von Lernenden mit Migrationsgeschichte bereits in der Grundschule nicht zielführend. Ein MEHR an verlässlichen Kenntnissen in Deutsch aber sehr wohl, denn diese werden genutzt um die Strukturen einer zweiten Fremdsprache zu erkennen und zu verstehen. Der gegenwärtige Status Quo führt lediglich zu mangelhaften Kenntnissen sowohl in Deutsch als auch in Englisch. Prinzipiell frage ich mich, warum in NRW immer nur zögerliche Entscheidungen getroffen werden.... Schreiben nach Gehör ist nicht gut, aber wir lassen es weiterhin im ersten Schuljahr zu, Englisch in der Grundschule bringt für den weiteren Schulverlauf nichts, aber wir sagen dann man lediglich,,,,erst ab der dritten Klasse. Frau D. Schäfer bitte für ein Schuljahr wieder in die Praxis einer HS, RS, Gesamt- oder Sekundarschule.

  • 8 Horst 08.02.2019, 20:12 Uhr

    Englisch sollte in jedem Fall beibehalten werden, ggf. könnte man Französisch noch zu Beginn ergänzen. Auch eine bedeutende Weltsprache. Statt Türkischunterricht für deutsche wäre Deutschunterricht für die Türken (inkl. Eltern) sicherlich eine ideale Möglichkeit, um den so oft formulierten Integrationswillen auch aktiv voranzutreiben.

  • 7 Englischgegner 08.02.2019, 20:11 Uhr

    Dieser Kommentar wurde mehrfach abgegeben und daher an dieser Stelle gesperrt. (die Redaktion)

  • 6 Fritz Müller 08.02.2019, 19:56 Uhr

    Unglaublich was dieser Türke da fordert, die Türken werden immer unverschämter hier im Land. Türkisch ist vollkommen unwichtig, Englisch ist die Weltsprache. Türkisch soll lernen, wer will.

  • 5 Gast aus OWL 08.02.2019, 19:43 Uhr

    Der Vorschlag, den Englischunterricht an den Grundschulen zugunsten von mehr Deutsch-und Mathematikunterricht abzuschaffen, ist doch gut. Nur weil er von der AfD kam, wurde er erwartungsgemäß abgelehnt. Die Bildung unserer Schüler nach 4 Jahren Grundschule ist nicht gut, gerade in Deutsch gibt es Defizite. Wenn jetzt Türkisch als Fach dazukäme, ging dies zu Lasten der anderen Fächer. Wenn Herr Keltek der Meinung ist, es wäre für das Miteinander der Schüler wichtig, vergisst er vielleicht, dass wir in Deutschland leben. Wer hier Schule und Ausbildung schaffen will, muss gut Deutsch können und nicht türkisch.