Streit um Finanzierung von Frauenhäusern in NRW

Streit um Finanzierung von Frauenhäusern in NRW

  • Landesregierung zahlt mehr Geld für Frauenhäuser im Land
  • Betroffene zweifeln an der Wirkung
  • Kritik an Vorgaben der Politik

Jedes Jahr gibt es Tausende Fälle von häuslicher Gewalt in NRW. Meistens sind Frauen die Opfer. Ihr letzter Ausweg ist manchmal nur noch der Gang ins Frauenhaus. Doch ob sie dort Hilfe bekommen, ist nicht sicher. Weil es nicht genug Plätze gibt, werden Frauen immer wieder abgewiesen - im vergangenen Jahr in über 7.300 Fällen.

Die Landesregierung hat versprochen, mehr für die Frauenhäuser zu tun. Doch es gibt Zweifel, ob sich für die betroffenen Frauen schnell etwas ändert.

Mehr Geld und Plätze

Eine Frau sitzt in einem Frauenhaus-Zimmer vor zwei Doppelstock-Betten.

In den nächsten Jahren sollen zusätzliche Plätze entstehen

In diesem Jahr zahlt das Land 500.000 Euro extra für die 62 Frauenhäuser. Bis 2020 sollen 50 neue Plätze entstehen. Die Reaktion vor Ort: "Wenn man das als Außenstehender hört, denkt man: Ist ja super! Wenn man das aber mal umrechnet auf die Frauenhäuser, ist das nicht mal ein Platz pro Haus", kritisiert Norika Creuzmann, Mitarbeiterin eines Frauenhauses. Auch steige durch die zusätzlichen Plätze der Personalbedarf. Doch dafür gäbe es nichts.

Und dann soll das Geld auch noch an Bedingungen geknüpft werden. Das geht aus dem Entwurf einer Absichtserklärung hervor, der dem WDR-Magazin Westpol vorliegt. Nur wenn sich Frauenhäuser verpflichten, die Langzeitaufenthalte um 20 Prozent zu reduzieren, sollen sie die Förderung bekommen.

Frauen befürchten Druck

Westpol hat sich bei betroffenen Frauen umgehört. "Für mich es sehr wichtig, dass ich so lange bleiben kann, bis ich stark genug bin", sagt eine. Eine andere Betroffene meint: "Wäre ich unter Druck, wäre ich wahrscheinlich zu meinem Mann zurückgegangen. Deswegen bin ich froh, dass ich hier die Zeit habe zu überlegen, was ist gut für mich und vor allem für meine Kinder."

Unter Auflagen und nur mit wenig Geld neue Plätze schaffen zu müssen, sei keine Erleichterung, sagt Creuzmann: "Wir sind seit so vielen Jahren unterfinanziert. Jede Landesregierung hat die Frauenhäuser hoch und runter geredet. Es ist wirklich anstrengend, immer wieder zu gucken, was kommt jetzt. Es ist nicht entlastend, sondern belastend."

Ministerin relativiert

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU)

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU)

Bekommen die Häuser also zu wenig Geld? Die zuständige Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Sie haben im Grunde nach in jeder sozialen Dienstleistung, die angeboten wird, diese Argumentation. In jeder! Denn Geld kann es nie genug geben." Die Mittel würden ständig erhöht. Und außerdem habe NRW ein "sehr ausgeprägtes Hilfeinfrastruktursystem für Mädchen und Frauen".

Dabei müsste das System eigentlich viel größer sein. Seit Februar gilt die Istanbul-Konvention des Europarates. Demnach bräuchte NRW mindestens 1.100 Plätze mehr. Doch dafür reicht das Geld bei Weitem nicht.

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Stand: 17.06.2018, 06:00

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