So können NRW-Flutopfer Wiederaufbauhilfe beantragen

So können NRW-Flutopfer Wiederaufbauhilfe beantragen

Von Christian Wolf

Die Opfer der Flutkatastrophe in NRW sollen viele Milliarden Euro Hilfsgelder bekommen. Jetzt können die Anträge dazu gestellt werden.

Das Geld für den Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe ist da und kann jetzt auch beantragt werden. Vergangene Woche haben Bundestag und Bundesrat den 30 Milliarden Euro schweren Hilfsfonds verabschiedet. Doch jetzt geht es darum, wie das Geld zu den Betroffenen kommt. Für NRW sind bis zu 12,3 Milliarden Euro vorgesehen. Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) sagte dazu am Dienstag im WDR 5 Morgenecho, die 12,3 Milliarden Euro würden über 30 Jahre hinweg "abfinanziert über einen Umsatzsteuer-Mechanismus". Die Ministerin betonte: "Das ist nicht schuldenbehaftet."

Scharrenbach: "Sicherheitsschleifen" gegen Betrüger

Sie gehe in aller Regel von "redlichen" Antragstellern aus, sagte Scharrenbach weiter. Nach Betrugsfällen bei den Corona-Hilfen sei aber damit zu rechnen, dass es auch hier einige Problemfälle geben werde. Man habe daher in das Online-Antragsverfahren "Sicherheitsschleifen eingebaut".

Am Montag hatte die Landesregierung eine spezielle Förderrichtlinie veröffentlicht. Ab heute können betroffene Einwohner, Unternehmen und Kommunen Anträge stellen. Die nötigen Formulare sind zusammen mit weiteren Informationen im Internet abrufbar.

Die Aufbauhilfen gehen an drei Gruppen:

Privathaushalte und Unternehmen der Wohnungswirtschaft

In der Regel geht es um eine Förderung von bis zu 80 Prozent der Kosten. In bestimmten Fällen sollen es sogar bis zu 100 Prozent sein. Dabei geht es unter anderem um die Beseitigung von Schäden an Gebäuden sowie den Kauf oder Neubau bei zerstörten Häusern. Für Schäden an ihrem Hausrat sollen Betroffene eine Pauschale beantragen können. Einem Ein-Personen-Haushalt stehen 13.000 Euro für Möbel oder Küchen zu, bei mehr Personen liegt die Pauschale höher. Bei Mietausfällen gibt es ebenfalls Geld.

Allerdings sei die Aufbauhilfe nachrangig, erklärte Scharrenbach am Montag. "Versicherungsleistungen, Spenden und Soforthilfen für denselben Zweck werden abgezogen."

Wer keine Versicherung hat - laut Scharrenbach etwa 50 Prozent der Betroffenen - braucht eine "Schadensbegutachtung". "Weil wir auf der einen Seite ein einfaches Verfahren haben wollen, und auf der anderen Seite aber Sicherheit im Verfahren benötigen", so die Ministerin. Rund 4.700 Sachverständige stünden zur Verfügung. Ein Antrag könne aber schon gestellt werden, bevor die benötigten Unterlagen beisammen sind. Der Wiederaufbau soll dadurch nicht behindert werden. Es wird mit bis zu 100.000 Anträgen von Privatleuten gerechnet.

Fluthilfe: "Abwicklung eine große Herausforderung"

WDR 5 Morgenecho - Interview 08.09.2021 06:53 Min. Verfügbar bis 08.09.2022 WDR 5


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Nach der Flut- Wie komme ich an Geld; WDR5

WDR Studios NRW 17.09.2021 03:24 Min. Verfügbar bis 25.09.2021 WDR Online


Unternehmen

Sie können bei Sachschäden Mittel für Reparaturkosten oder den wirtschaftlichen Wert geltend machen. Außerdem werden Einkommenseinbußen bis zum Januar 2022 kompensiert. Um Geld zu bekommen, muss ein Gutachter den Schaden ermitteln. Danach sollen die zuständigen Kammern die Unterlagen prüfen. Erst dann wird der Antrag bei der NRW.BANK eingereicht. Sie bewilligt die Hilfen und zahlt das Geld aus. Wichtig ist: Schon vor der Beantragung kann mit den Aufbauarbeiten begonnen werden.

Land- und Forstwirtschaft

Auch hier liegt die Förderung in der Regel bei 80 Prozent der Kosten, in besonderen Härtefällen sind bis 100 Prozent möglich. Es geht zum Beispiel um kaputte Maschinen oder beschädigte Gebäude.

Hotline für Fragen zum Wiederaufbau

Unter einer Servicenummer können Bürger und Unternehmer ihre Fragen zur Fluthilfe stellen. Die Hotline ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr unter 0211-46844994 erreichbar.

Den Betroffenen in der Städteregion Aachen wird ein spezielles Angebot gemacht. Dort werden Busse unterwegs sein, in denen die Anträge direkt gestellt werden können. Mit dabei sind Mitarbeiter der Kommunen, die helfen.

Stand: 17.09.2021, 06:00