Fall Amad A.: Die Tragödie begann in Siegen

Fall Amad A.: Die Tragödie begann in Siegen

  • U-Ausschuss im Landtag zum Fall Amad A.
  • Zweifel an offizieller Darstellung
  • Datenbearbeiterin im Zeugenstand

Die Verwechslung des unschuldig inhaftierten Syrers mit einem anderen Mann ist durch einen Fehler in der Datenbearbeitung der Polizei in Siegen begünstigt worden. Sie habe Personendateien auf Anweisung zusammengeführt und nicht mitbekommen, dass dies irgendwann verboten worden sei, sagte eine Sachbearbeiterin der Siegener Polizei am Dienstag (01.10.2019) in Düsseldorf als Zeugin im Untersuchungsausschuss.

Neue Anweisung nicht weitergegeben

Dies habe sie nicht gewusst: "Das durfte man irgendwann nicht mehr machen, das wusste ich aber nicht." Von einer entsprechenden Verfügung habe sie erst bei ihrer Vernehmung nach dem Tod des Syrers erfahren. Sie habe aber immer nur auf Anweisung Dateien zusammengeführt. Wer die Anweisung erteilt habe, wisse sie nicht.

Sie sei nur eineinhalb Tage lang für ihren Job als Eingeberin in die neue Datenbank Viva geschult worden und habe dies als sehr unzureichend empfunden. Wenn sie Anweisungen hinterfragt habe, sei ihr von ihrem Vorgesetzten mitgeteilt worden: "Du bist eine reine Eingabekraft. Das hast du nicht zu hinterfragen."

Kritik an Innenminister Herbert Reul (CDU)

Die Untersuchung ihres Computers hatte ergeben, dass sie die Datensätze eines mit Haftbefehl gesuchten Afrikaners und des Syrers zusammengeführt hatte. An den konkreten Fall könne sie sich nicht erinnern, sagte die Zeugin. "Der Innenminister hat bisher immer gesagt, die Daten seien nicht in NRW verändert worden. Heute haben wir das genaue Gegenteil gehört.", sagte Sven Wolf (SPD).

"Die Version von einem Kreuztreffer, die uns von der Polizei an dieser Stelle immer erzählt worden ist, scheint nicht zu stimmen", sagte Stefan Engstfeld (B'90/Die Grünen). Der hellhäutige Syrer soll im Juli 2018 mit einem dunkelhäutigen Mann aus dem afrikanischen Mali verwechselt worden sein.

Unschuldig hinter Gittern verbrannt: Der Fall Amad A. WDR 12.09.2019 14:17 Min. UT Verfügbar bis 12.09.2099 WDR Von Andreas Maus, Julia Regis

Festnahme am Baggersee

Der 26-Jährige war an einem Badesee in Geldern von der Polizei mitgenommen worden. Die Mädchen sagten am Dienstag ebenfalls als Zeuginnen aus: Der Syrer habe sie mit sexuellen Andeutungen belästigt. Ihre Aufforderungen, sie in Ruhe zu lassen, habe er ignoriert. Deshalb habe eine von ihnen ihren Vater angerufen, der Polizist ist und dieser hatte seine Kollegen alarmiert, die mit zwei Streifenwagen ausrückten.

Wochenlang hatte der 26-Jährige dann wegen Diebstahls in Kleve im Gefängnis gesessen, den er nicht begangen hatte. Laut eines externen Sachverständigen legte er einen Brand in seiner Zelle. Infolge der schweren Verbrennungen war er im September 2018 in einer Klinik gestorben.

Stand: 01.10.2019, 17:37