Bildung, Impfung, Urlaub: Wo bleibt die Perspektive für Familien?

Eine Frau sitzt mit ihren drei Kindern im Wohnzimmer und hilft ihren Kindern bei ihren Aufgaben für die Schule

Bildung, Impfung, Urlaub: Wo bleibt die Perspektive für Familien?

Von Daniela Becker und Martina Koch

Bei einer Inzidenz unter 100 sind Biergärten und Hotels unter Auflagen wieder offen. Die Perspektive für Schulen und Kitas ist aber noch unklar. Und eine Impfung ist für viele Eltern noch nicht in Sicht.

Irina Prüm versteht die Welt nicht mehr: "Seit 14 Monaten beobachten wir, dass die Kinder von maßgeblichen Einschränkungen betroffen sind." Da werde mit zweierlei Maß gemessen, wenn jetzt Biergärten geöffnet würden, kritisiert die Sprecherin des Landeselternbeirates für Kitas in NRW.

Tatsächlich hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erst für die kommende Woche angekündigt, in der Landesregierung eine landesweite Regelung zur Öffnung von Schule, Kitas und Unis zu erarbeiten. Im Moment hängt es von den Inzidenzzahlen vor Ort ab, ob Kitas nur im Notbetrieb sind oder eingeschränkt geöffnet haben. Schulen sind entweder im Distanzunterricht oder im Wechselmodell.

Finanzielle Lasten für Familien bleiben

Homeoffice und Homeschooling, dazu Kinderbetreuung rund um die Uhr – das zehrt bei vielen Familien an den Nerven. Aber es ist auch eine finanzielle Belastung. Denn je nach Wohnort werden im Moment Beiträge fällig für Kita oder Ganztagsbetreuung in der Grundschule – egal, ob die Kinder kommen oder nicht. Eltern hätten jetzt auch wirtschaftliche Ängste, so Elternsprecherin Irina Prüm. Für eine Leistung zu bezahlen, die man nicht in Anspruch nehme, sei nicht plausibel.

Ein verlorenes Schuljahr?

WDR RheinBlick 15.01.2021 28:31 Min. Verfügbar bis 15.01.2022 WDR Online


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Die Kommunen wollen den Eltern die Beiträge bis einschließlich Mai erlassen und sich die Finanzierung mit dem Land teilen. "So ein Beitrag macht das Leben auch nicht schöner, aber es ist ein Zeichen der Anerkennung, der Wertschätzung und Solidarität", begründet der Präsident des NRW-Städtetages Pit Clausen (SPD). Doch das Land stellt bislang nur weitere 88 Millionen Euro zur Verfügung. Das reicht nur für drei Monate Beitragsfreiheit.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP).

NRW-Familienminister Joachim Stamp

Familienminister Joachim Stamp (FDP) findet, dass das Land den Kommunen als Trägern schon viel abgenommen hat, etwa die Kosten für die Corona-Tests. Außerdem habe es enormes Geld gekostet, die Kitas offenzuhalten für diejenigen, die den Bedarf hatten. "Es war richtig für die Familien und Kinder, dass wir die Kitas nicht vollständig geschlossen haben."

Familien bei Impfungen weiter im Nachteil

Während Geimpfte jetzt Urlaubspläne schmieden, wissen viele Familien nicht, wie die Ferien aussehen werden. Die Eltern sind oft zu jung, um schon geimpft zu werden. Für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren gibt es noch keinen in Europa zugelassenen Impfstoff.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA prüft gerade den Impfstoff von Biontech/Pfizer, ebenso die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut.

Nicht unter Druck setzen lassen

Kinderarzt Martin Terhardt, Mitglied der Stiko, ist zwar von den Daten zur Wirksamkeit des Vakzins bei Kindern überzeugt, aber über die Sicherheit wisse man noch zu wenig. Terhardt will sich nicht unter Druck setzen lassen.

Martin Terhardt

Stiko-Mitglied Martin Terhardt

Da Kinder weniger schwer als Erwachsene an Corona erkranken, gehe es um den Fremdnutzen, also den gesellschaftlichen Effekt, dass Schulbesuch wieder möglich ist, dass Familien es wieder leichter haben. Das sei ein völlig neues Impfziel. Deshalb wolle die Stiko das mit großer Sorgfalt prüfen und sich nicht drängen lassen.

Land will Kinder ab 12 Jahren im Sommer impfen

Bund und Länder machen allerdings Druck. Gesundheitsminister Laumann arbeitet schon an einem Impfplan. Das Ziel sei, allen in der Altersgruppe bis zum Ferienbeginn am 5. Juli ein Impfangebot zu machen. Voraussetzung sei allerdings, dass der Bund den Impfstoff zur Verfügung stelle, schränkt Laumann ein.

Doch so sehr sich Eltern eine Perspektive wünschen, beim Impfen der Kinder sind viele zurückhaltend. Wie beim Testen sei auch beim Impfen eine große Aufklärungskampagne notwendig, um eine hohe Bereitschaft zu erreichen, gibt Elternsprecherin Irina Prüm zu bedenken.

Stand: 16.05.2021, 06:00