Lügde: Kripo-Chef zeigt Ex-Ermittlungsleiter an

Innenminister Herbert Reul

Lügde: Kripo-Chef zeigt Ex-Ermittlungsleiter an

Von Thomas Drescher und Nina Magoley

  • Zahl der Opfer im Fall Lügde steigt von 31 auf 34
  • 14 neue Verdachtsfälle nach Sichtung des Bildmaterials
  • Neuer Kripo-Chef zeigt ehemaligen Ermittlungsleiter an

Die Bombe platzt ganz leise. Irgendwo in der Mitte des Berichts, den Innenminister Herbert Reul (CDU) dem NRW-Innenausschuss am Donnerstag (14.03.2019) vorträgt, sagt er: "Ich muss Ihnen noch von einem weiteren Fall berichten."

Was dann folgt, ist so verschwurbelt und verklausuliert, dass es eine Weile braucht, bis die Abgeordneten verstehen, was der Minister da enthüllt.

Neuer Kripo-Chef zeigt Ermittlungsleiter an

Der neu eingesetzte Kripo-Chef in Lippe hat einen Polizeibeamten angezeigt. Und dieser Beamte war nicht nur an den Ermittlungen zum massenhaften sexuellen Missbrauch auf dem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) beteiligt, er hat sie sogar etwa zwei Wochen lang geleitet: von Mitte Dezember 2018 bis Anfang Januar 2019.

Dem Mann wird Strafvereitelung im Amt vorgeworfen. Er ist vom Dienst suspendiert. Dieser Vorwurf bezieht sich nicht auf die Ermittlungen zum Kindesmissbrauch im Fall Lügde, sondern auf den Verdacht einer anderen Sexualstraftat "zum Nachteil einer erwachsenen Frau".

Verschwundene Asservate - schon wieder

Brisant ist, dass auch in diesem Fall dringend benötige Asservate, also Beweismittel, plötzlich nicht mehr auffindbar waren und so möglicherweise nicht mehr bewiesen werden kann, wer der Täter ist.

Auch in zwei weiteren Ermittlungsverfahren, die dieser Beamte in den Jahren 2015 und 2016 geführt hat, waren Asservate nicht mehr auffindbar.

Im Fall Lügde sind ebenfalls Beweismittel verschwunden. 155 CDs und DVDs, sichergestellt auf dem Campingplatz, sind weg, irgendwie verschwunden aus einem Raum der Polizei, in dem die Beweismittel gesichtet wurden. Reul geht inzwischen nicht mehr davon aus, dass die Datenträger verlegt wurden, wie es zeitweilig hieß. Er geht von einer gezielten Entwendung aus.

Wie der Lügde-Skandal den Landtag aufwirbelt

WDR RheinBlick 01.03.2019 23:43 Min. WDR Online

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Weiteres brisantes Detail: Der nun angezeigte Beamte war der Tutor, also der Ausbildungsbetreuer, eben jenes Polizeianwärters, der mit der Auswertung dieser Datenträger betraut worden war.

Weitere Opfer und noch mehr Verdachtsfälle

Mittlerweile geht die Polizei von 34 Opfern und nicht mehr, wie bisher, von 31 aus. Darüber hinaus, so der Innenminister, habe die Auswertung des gesicherten Bildmaterials ergeben, dass es noch mindestens 14 weitere Opfer geben könnte. Es ist also wahrscheinlich, dass die Zahl der Opfer deutlich steigen könnte.

Opposition: "Es wird immer haarsträubender"

Der SPD-Innenpolitiker Hartmut Ganzke sagte, der Fall Lügde werde immer haarsträubender und der Sumpf immer tiefer. "Wer das als Drehbuch geschrieben hätte, dem hätte man gesagt: Das ist so hanebüchen, das nimmt uns niemand ab."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrags berichteten wir von der neuen Kripo-Chefin in Lippe. Tatsächlich handelt es sich um einen Chef. Wir bitte, diesen Irrtum zu entschuldigen.

Stand: 14.03.2019, 17:47