Kinderpornografie bei der Polizei: 15 Fälle in zehn Jahren

Ein Symbolbild, wo ein Mann sich auf einem Bildschirm pornografische Bilder ansieht.

Kinderpornografie bei der Polizei: 15 Fälle in zehn Jahren

Von Thomas Drescher

  • Nach Lügde: Innenministerium überprüft alle Polizisten in NRW
  • 15 Ermittlungsverfahren wegen Kinderpornografie und Missbrauch
  • Nur ein Beamter weiter im Dienst

Im Zusammenhang mit dem massenhaften Kindesmissbrauch und dem damit verbundenen Polizeiskandal in Lügde (Kreis Lippe) lässt das NRW-Innenministerium Beamte im ganzen Land überprüfen.

Straf- oder Disziplinarverfahren

Die am Mittwoch (13.03.2019) bekannt gewordenen Ergebnisse zeigen, dass es in den letzten zehn Jahren insgesamt 15 straf- oder disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen Polizisten in NRW gab. Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte dies dem WDR.

14 dieser 15 Beamten sind derzeit nicht oder nicht mehr als Polizisten im Dienst. Sie wurden entweder vorläufig oder endgültig des Dienstes enthoben oder befinden sich im Ruhestand.

Noch nicht alle Beamten überprüft

Das Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei (LAFP) in Selm hatte diese 15 Fälle in einer "Erstauskunft" genannt. Noch nicht überprüft sind das Landeskriminalamt und das LAFP selbst. In diesen Behörden arbeitet aber nur ein Bruchteil der 42.000 Polizisten in NRW.

Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass einer dieser Beamten weiter bei der Polizei in Lippe tätig ist. Er ist aber an den Ermittlungen im Fall Lügde nicht beteiligt. Wegen des Besitzes und des Beschaffens von kinderpornografischem Material war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die Polizei wollte ihm danach kündigen, aber ein Arbeitsgericht hatte es abgelehnt, ihn aus dem Dienst zu entfernen.

Missbrauchsfälle in fast allen Berufsgruppen

Ursula Enders

Es lasse sich nicht sagen, ob 15 Fälle in zehn Jahren vergleichsweise viel oder wenig sind, weil jede Vergleichsgröße fehlt, sagt Ursula Enders. Sie ist langjährige Leiterin von Zartbitter im Köln, einer Beratungsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs. Das Dunkelfeld sei in diesem Bereich sehr groß. Sie habe sich dennoch gewundert, dass die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte so gering ist.

Missbrauch gebe es bei Angehörigen fast aller Berufsgruppen, so Enders. Aus ihrer Beratungspraxis seien ihr persönlich Einzelfälle bekannt, in denen Polizisten auch an der Produktion von Kinderpornografie beteiligt waren.

Stand: 13.03.2019, 12:06