Aus für Energie-Agentur: "Pinkwart macht uns platt"

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Aus für Energie-Agentur: "Pinkwart macht uns platt"

Von Stefan Lauscher

Die Energie-Agentur NRW berät die Landesregierung seit Jahrzehnten in Fragen der Erneuerbaren Energien. Jetzt wurde ihr Aus beschlossen. Die Opposition ist empört, Mitarbeiter frustriert.

Nordrhein-Westfalen hat große Ziele, auch energiepolitisch: Abschied von der Kohleverstromung bis 2035 oder 2038. Klimaneutralität bis 2050. Und als ersten Schritt dahin: Die Verdoppelung von Wind- und Sonnenenergie bis 2030. Viel zu tun also für Wirtschafts- und Energieminister Andreas Pinkwart (FDP), möchte man meinen.

Aber ausgerechnet er knipst jetzt einer bewährten Institution bei der Umsetzung der Energiewende in NRW das Licht aus. Die Energie-Agentur NRW wird bis zum Jahresende abgewickelt. Ersetzt wird sie durch eine sehr viel kleinere Landesgesellschaft, die ihre Strukturen erst noch aufbauen muss.

Pinkwart will Schlagkraft erhöhen

Andreas Pinkwart

Pinkwart: "Kraftakt vorgenommen"

Was ist da los? "Das, was wir uns vorgenommen haben, für die nächsten 10, 20 Jahre hier in Nordrhein-Westfalen, ist ein richtiger Kraftakt", erklärt Minister Pinkwart. "Und dieser Kraftakt braucht eine schlagkräftige Organisation. Und die hatten wir bisher leider nicht."

Pinkwart erwartet mehr Schlagkraft, mehr Flexibilität - aber macht es gerade unter diesem Blickwinkel Sinn, bewährte Strukturen so gründlich zu zerschlagen?

Beratung auch für private Hausbesitzer

Die Energie-Agentur NRW gibt es seit 1990. Sie arbeitet im Auftrag der Landesregierung. Ihre Aufgaben: Wissenszusammenführung (neudeutsch: Networking), Informierung und Beratung in allen Fragen der Erneuerbaren Energien. Industrieunternehmen können sich hier ebenso Rat über neue Technologien und Fördermöglichkeiten einholen wie der private Hausbesitzer, der über eine neue Heizung nachdenkt.

Opposition befürchtet "Kahlschlag"

Wibke Brems ist Energieexpertin der Grünen im Düsseldorfer Landtag. Sie spricht von einem "Kahlschlag" und vermutet ganz andere Motive hinter den Manövern des Ministers. "Die Energie-Agentur macht eine sehr sehr gute Arbeit.", betont Wibke Brems. "Ich bin mir sicher, dass der Minister versucht, mehr Einfluss zu gewinnen auf eine solche Agentur, wenn er sie näher an das Ministerium zieht."

Das hieße im Klartext, der Minister schafft die Energie-Agentur ab, weil er sie in der jetzigen Aufstellung nicht ausreichend unter Kontrolle hat?

Stinka: "Energie-Agentur ist unbequem"

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160 Fachleute arbeiten für Energie-Agentur

André Stinka, energiepolitischer Sprecher der SPD im Landtag, vermutet genau das: "Die Energie-Agentur ist unbequem. Und sie macht der Landesregierung deutlich, dass häufig ihre Ansprüche nicht mit der Realität übereinstimmen", so Stinka. "Sie weiß beispielsweise, dass wir im Bereich des Wärmeausbaus nicht hinterher kommen, weil die Gebäude nicht saniert werden können. Und vielleicht gefällt dem Minister diese Aussage nicht."

Stand: 11.03.2021, 06:00

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